wo der Orthoklas wieder bei Weitem vor dem Plagioklas überwiegt, fällt auch die Anwesenheit eines hellen Glimmers neben dem dunklen Biotit auf. Bei näherer Betrachtung des Präparates scheint es indessen zweifelhaft, ob dieser lichte Glimmer auch nur zum Theil als ein primärer Bestandtheil zu betrachten ist; denn die kleinen Muscovitblättchen, die in den Kalifeldspathen häufig nesterartig vertheilt sind oder aus deren Rändern zu fiederig-schuppigen Massen herauswachsen, stellen sicherlich Secundärproducte dar; aber auch von den grösseren Partien lichten Glimmers, die auf's engste mit den Biotitlamellen verwachsen erscheinen, ist es wahrscheinlich, dass sie erst aus diesem Mineral hervorgegangen sind, um so mehr als dasselbe bereits etwas angegriffen sich erweist. Perthitischer Orthoklas sowohl wie prächtig gegitterter Mikroklin sind reichlich vorhanden; oft greift Quarz lappig in ihre Randzonen ein oder tritt hier in mikropegmatitischer Verwachsung mit Feldspathsubstanz in Form von korallenstockähnlichen Wucherungen auf.
In sehr hohem Grade lassen die Mikroklingranite von
1. »Ruanda, 14. September 1892«,
2. »Duma-Bach, Ntussa, Usukuma, 14. Juni 1892«,
3. »Ngoroïne, 3. Juni 1892«,
4. »Ussui, 28. August 1892, 8h 11 a. m.«
dynamometamorphische Erscheinungen erkennen. Das mittel- bis grobkörnige Gestein von Ruanda, dessen etwas verwitterten Zustand die trüben Feldspathe und die fleckenweise Ausscheidung von Eisenoxydhydraten verrathen, zeigt im mikroskopischen Bilde eine förmliche Breccienstruktur. Die Feldspathe sind fast sämmtlich zertrümmert, bald im Haufwerke von unregelmässig gelagerten, zackig conturirten Körnern aufgelöst, zwischen denen meist ein körniges Mosaik von Quarz und Feldspathpartikelchen sich hindurchzieht; bald erscheinen sie nur in grösseren Fragmenten auseinandergedrängt, deren ursprüngliche Zusammengehörigkeit zu einem Individuum sich aus dem entsprechenden Verlauf der Conturen oder der Zwillingsstreifung zwischen gekreuzten Nicols kundgiebt. Diese ist bei den Plagioklasen niemals scharf, sondern stets mehr oder weniger verschwommen; die sich kreuzenden Spaltrisse sind zuweilen so zahlreich vorhanden, dass die betreffenden Individuen förmlich ein geschiefertes Aussehen besitzen. Mehrfach ist auch die Umwandlung der meist schon stark getrübten Kalknatronfeldspathe in farblose Skapolithsubstanz zu beobachten. Ungestreifter Kalifeldspath fehlt vollständig; in Anbetracht der aussergewöhnlich grossen Menge von Mikroklin aber und der erwähnten Deformationserscheinungen kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass der Mikroklin, wenn nicht durchaus, so doch zum allergrössten Theile ein durch die, offenbar wirksam gewesenen, dynamischen Einflüsse aus Orthoklas hervorgegangenes Erzeugniss secundärer Art sei. Dieser Eindruck erhält eine wesentliche Begründung durch die Thatsache, dass gerade die am meisten zertrümmerten Feldspathpartien aus Mikroklin bestehen, und ferner durch den Umstand, dass die Gitterung bei den kleinen Fragmenten eine sehr scharfe ist, bei den grösseren dagegen einen Grad von Verschwommenheit zeigt, der im Allgemeinen proportional mit den Dimensionen derselben zunimmt. Auch der Quarz erweist sich durch splitterig-zackige Umrisse und undulöse Polarisation als ziemlich stark beeinflusst; die vorzugsweise in ihm eingeschlossenen dicken Apatitsäulchen zeigen eine vielfache Quergliederung, mit der zuweilen eine Verschiebung der einzelnen Glieder gegen einander verbunden ist. An Stelle des, nicht sehr reichlich vorhanden gewesenen, bräunlichen Biotits sind grösstentheils Aggregate von schmutziggrünem Chlorit getreten, der in der Regel mit braunen Eisenoxydhydraten, hin und wieder auch mit kleinen Partien von Eisenkies verwachsen ist. Farblose oder schmutzigweisse Haufwerke von Muscovit, gewöhnlich durch etwas eisenhaltiges Pigment gelblich gefärbt, sind häufig in grösserer Menge zu beobachten. Im Verein mit dem Quarz-Feldspathmosaik finden sie sich vorzugsweise an den Rändern der Feldspathe wie auf den dieselben durchsetzenden Spaltrissen und kennzeichnen dadurch zweifellos ihre secundäre Bildungsweise.
Eine fast noch weiter gehende Zertrümmerung ihrer Bestandtheile weisen die biotitarmen Mikroklingranite von Ngoroïne und namentlich jener vom Duma-Bach auf, der sich von den anderen hierher gehörigen Gesteinen durch die röthliche Farbe seiner Feldspathe und die häufigeren Zirkoneinschlüsse in denselben unterscheidet. In dem bedeutend glimmerreicheren Gestein von Ussui erscheint auch der Biotit unter Umwandlung in Chlorit durchgehends in Haufwerke von Schüppchen aufgelöst, die häufig Quarz- und Feldspathkörner kranzartig umgeben oder stromartig zwischen denselben sich hindurchdrängen, so dass eine gneissähnliche Struktur entsteht. In dem Mikroklingranit von den
»Ikiju-Bergen, 9. April 1892«
hingegen scheint der, auch meist in grösseren Krystallen vorhandene Mikroklin ein primärer Bestandtheil zu sein. Das im Ganzen noch recht frische Gestein lässt im Dünnschliff wenig mechanische Deformationen erkennen, Quarze und Feldspathe heben sich wohl conturirt von einander ab; der schalige Aufbau der Plagioklase ist gewöhnlich völlig ungestört, nur die bereits erwähnten, korallenstockähnlich in den Randzonen der Feldspathe eingewachsenen Mikropegmatitpartien sind auffallend häufig zu beobachten. Zugleich mit der Ausscheidung von kleinen farblosen Glimmerblättchen scheint bei den Feldspathen auch hier die Tendenz zur Skapolithbildung vorhanden zu sein; der sehr reichlich an der Gesteinszusammensetzung betheiligte bronzefarbige Magnesiaglimmer wandelt sich in grüne Chloritblättchen um, zwischen denen hin und wieder, wohl auch als Neubildungsproducte, gelber Epidot und schwach gefärbte Titanitkörnchen eingewachsen sind.