Das Rind ist nach europäischen Begriffen von mittlerer Grösse, einfarbig röthlich bis dunkelbraun vorwiegend kastanienbraun und besitzt ein ähnlich dunkelpigmentirtes Flotzmaul. Desgleichen sind auch die übrigen, dem Auge zugänglichen Schleimhäute pigmentirt. Das Deckhaar ist kurz, ziemlich dicht gestellt und glänzend.
Der Höcker ist bei Kühen namentlich oft nur schwach entwickelt, wie dies auch die nach einer Photographie angefertigte Abbildung (pag. 85) erkennen lässt. Auf derselben ist der Höcker nach Dr. Baumann auffallend stark entwickelt, derselbe ist sonst oft kaum wahrnehmbar. Nur in gutem Ernährungszustande befindliche Stiere zeigen ihn.
Die feinknochigen Extremitäten zeigen nur mässige Muskelentwicklung und besonders die sogenannte Hosenparthie erscheint auffallend leer.
Am Brustkorb fallen die weiten Rippenzwischenräume auf. Das Euter der Kühe ist nur sehr mangelhaft entwickelt womit die äusserst geringe Milchergiebigkeit im Einklange steht.
Der charakteristischeste Theil des ganzen Thieres ist der selbst bei Kühen mit ungeheueren Hörnern versehene Kopf. Derselbe erscheint gegen die Schnauze zu schwach zugespitzt und zeigt eine mächtig entwickelte ziemlich breite Stirne, von welcher die gewaltigen Hörner ausgehen. Der Verlauf derselben ist zunächst nach seitwärts oben gerichtet, während die Spitzen nach rückwärts und gewöhnlich auch etwas nach innen gewendet endigen.
Nicht nur der Verlauf der Hörner, über welchen übrigens die Abbildung (pag. 239) die beste Auskunft giebt, sondern weit mehr noch ihre ungeheuere Dickenentwicklung bedingt das charakteristische Aussehen dieser Rinderrasse. Auch bei dem ungarischen Steppenrind findet man ja oft Hörner von nahezu 1 Meter Länge; stets bleiben diese jedoch verhältnissmässig dünn und schlank. Beim Watussi-Rinde hingegen beträgt der Umfang an der Hornbasis 40-50 cm. Diese charakteristische Beschaffenheit des Hornes findet man nur bei den in Abessinien und den Galla-Ländern verbreiteten Sanga- oder Senga-Rindern wieder, mit welchem das Watussi-Rind, wie speciell aus der weiter unten mitgetheilten vergleichend osteologischen Betrachtung seines Schädelgefüges hervorgeht, identisch ist.
Früher war man der Meinung, dass die reine grosshörnige Sanga[35]-Rasse nur in Abessinien und den Galla-Ländern vorkommt. Das grosse centralafrikanische Verbreitungsgebiet dieser Rasse erlangt daher besonderes Interesse, welches durch die von allen Reisenden beobachtete auffallende Aehnlichkeit erhöht wird, welche zwischen den Vieh züchtenden Watussi-Stämmen und den Abessiniern besteht.
Was die Hornentwicklung der echten abessinischen Sanga anbetrifft, welche ich des Vergleiches wegen anführe, so zeigt ein von Salt dem »Museum of the Surgeons« geschenktes Gehörn folgende Maasse:
| An der Aussenseite gemessen Hornlänge | 118,0 cm |
| Abstand der Spitzen von einander | 101,0 cm |
| Hornumfang | 38,0 cm. |
Thiere mit besonders grossen Hörnern sollen speciell die südlich von Endesta wohnenden Galla züchten und Salt berichtet über ein Gehörn, welches bei 120 cm Länge 53 cm Umfang an der Basis besass. — Jerom Lobo erwähnt sogar eines Sanga-Hornes, welches 11 Liter fasste.