In Anbetracht der ganz eigenartigen, bei keiner anderen Rinderrasse wiederzufindenden Hornentwicklung des Sanga-Rindes kann es füglich nicht Wunder nehmen, wenn dieselbe von manchen Reisenden als die Folge eines Krankheitsprozesses angesehen wurde. — So behauptete z. B. Bruce (citirt nach Vasey) die grossen Hörner seien die Folge einer durch die Weiden und das Klima bedingten, mit dem Tode des Thieres endigenden Krankheit. Nach dem Genannten treiben die Eingeborenen, welche die grossen Hörner sehr schätzen, jene Thiere, welche die ersten Symptome des Leidens zeigen, auf die besten und ruhigsten Weideplätze. Nichtsdestoweniger magerten dieselben allmählich derart ab, dass sie »kaum mehr Fleisch genug um ihre Knochen zu bedecken« besässen und schliesslich nicht mehr im Stande seien, den Kopf mit seinen gewichtigen Hörnern zu erheben, wonach sie endlich der Tod von ihren Leiden erlöse.

Dem früher bereits genannten Reisenden Salt, der die ersten Sanga in den Galla-Ländern sah, gebührt das Verdienst, die Unrichtigkeit dieser Behauptung festgestellt und bewiesen zu haben, dass die mächtige Hornentwicklung auf einem vollkommen normalen Vorgang beruhe und dieser Rasse eben eigenthümlich sei.

Immerhin wäre es eine äusserst interessante Aufgabe, an Ort und Stelle nach den Ursachen zu forschen, welche diese eigenartige, die Thiere entschieden häufig benachtheiligende Hornentwicklung veranlassen konnten, besonders, da wir sie als Folge künstlicher, von Seiten des Menschen ausgeübter Zuchtwahl nicht unbedingt ansehen dürfen, weil wir aus den Angaben Stanley's und Keller's wissen, dass die Hirten ihren Thieren in manchen Gegenden, wie in Nkole häufig die Hörner abbrennen oder stutzen, um ihnen ein leichteres Eindringen in die Dickichte zu ermöglichen. In den von Dr. Baumann besuchten Gebieten geschieht dies allerdings nirgends.

Der Schädel des Watussi-Rindes erscheint in Folge der stark entwickelten, allmählich in die mächtigen Hornzapfen übergehenden Stirne nach unten zu verschmälert. Zwischen dem stärker entwickelten Stirntheile und dem sich verschmälernden, schwächer entwickelten Gesichtstheile des Schädels besteht ein auffallender Unterschied. Von der Seite aus betrachtet (im Profil) erscheint der Schädel in Folge der gewölbten Stirnpartien schwach geramst.

Wenn wir mit den bei Betrachtung des Kopfes zu allererst in die Augen fallenden gewaltigen drehrunden Hornzapfen beginnen, welche dem Kopfe das charakteristische Aussehen verleihen, so wäre zu erwähnen, dass dieselben ohne eigentliche Stiele, vielmehr durch allmähliche Verjüngung der seitlich oberen Stirnpartien entstehen. — Tiefe, mächtig ausgeprägte Längsfurchen und zahlreiche Knochenwärzchen bedecken die Oberfläche der knöchernen Hornzapfen. Dennoch kommt es nicht zur Ausbildung jenes aus dichtgestellten Wärzchen bestehenden Kranzes an der Basis der Hörner, wie dies z. B. beim Bos primigenius (Thür) und seinen Abkömmlingen der Fall zu sein pflegt.

Die den knöchernen Hornzapfen entsprechenden, einen Meter Länge und darüber messenden Hornscheiden sind ebenfalls drehrund und mit Ausnahme der etwas dunkleren Spitze hornfarbig. — An dem vorliegenden Schädel zeigt die Hornsubstanz eine eigenthümlich faserige Beschaffenheit, ist rauh und besitzt die Neigung sich auszufransen. Diese Hornbeschaffenheit kommt nach Dr. Baumann's Beobachtungen der ganzen Watussi-Rasse normaler Weise zu.

Der obere Rand des Stirnwulstes verläuft nicht etwa mehr weniger horizontal, oder aber dachförmig, wie bei den europäischen Rinderrassen, sondern halbmondförmig; derartig, dass die horizontal gemessene Zwischenhornlinie mit diesem oberen Rande des Stirnwulstes ein Segment bildet.

Der Stirnwulst selbst, am vorliegenden Schädel 6 cm hoch, zeigt stets eine überaus starke Entwicklung.

Die Stirnplatte ist schwach nach aussen vorgewölbt, weist jedoch sonst keine wesentlicheren Unebenheiten auf. Namentlich fehlt hier die für viele Rinderrassen so charakteristische Aushöhlung im unteren Theile der Stirnplatte zwischen den Augenhöhlen. Desgleichen findet sich auch nicht die leiseste Andeutung eines Stirnbeinkammes. Die convergirend verlaufenden Supraorbitalrinnen sind oberhalb der oberen Augenlinie tief eingegraben; von da an beginnen sie seichter zu werden und reichen, nur mehr schwach kenntlich, bis zum Thränenbein. — Mit der Hinterhauptfläche bildet die Stirnbeinfläche nahezu einen rechten Winkel.

Die Thränenbeine sind ziemlich breit und zeichnen sich durch den fast in einer Geraden verlaufenden Rand aus. Die untere mediane Spitze der Thränenbeine befindet sich nahezu in der Mitte der Nasenbeinlänge. An jenem Punkte, in welchem das Thränenbein, Stirnbein und Nasenbein zusammenstossen, findet sich eine kleine Knochenlücke. Der Bau der Thränenbeine ähnelt somit ganz entschieden dem der europäischen Brachyceros-Rassen.