Schädel des Watussi-Rindes (Seitenansicht).
Die an ihrem Ursprunge breiten Nasenbeine verjüngen sich allmählich und endigen mit je zwei ganz kurzen Spitzen. Die auf diese Weise am vorderen Rande der Nasenbeine entstehende Bucht ist daher nur sehr seicht. Im Gegensatze zu anderen Rinderrassen weist der laterale Rand beider, nur eine flache Rinne bildender Nasenbeine, etwa in der halben Länge eines jeden eine starke Einbuchtung auf. — Am Wangenbeine fällt die starke Entwicklung des ziemlich deutlichen, eine dreiseitige Pyramide bildenden Wangenhöckers auf. — Die Nasenäste der Zwischenkiefer sind, was das Verhältniss ihrer Entwicklung zu den übrigen Schädelknochen (namentlich zur Gesammtkopflänge) anbelangt, ähnlich geartet wie bei den typischen Rassen der europäischen Brachyceros-Gruppe; sie sind nämlich äusserst kurz und reichen nicht nur bis an die Nasenbeine heran, sondern endigen im vorliegenden Falle sogar 2,1 cm unterhalb des seitlichen Nasenbeinrandes.
Die Augenhöhlen sind seitlich gestellt und ziemlich seicht; nie röhrenförmig. Die schmalen oberen Augenbögen liegen tiefer als der zwischen ihnen befindliche mittlere Theil des Stirnbeines. Legt man etwa in der Mitte der Augenbogengegend ein Stäbchen quer (senkrecht) zur Medianlinie des Schädels, so kommen die Augenbögen unter der so gebildeten Horizontalen zu liegen, d. h. wir finden in diesem Theile des Schädels ein ähnliches Verhältniss wieder, wie es für Bos primigenius und dessen reinblütigen Nachkommen, dem Steppenvieh, so charakteristisch ist.
Schädel des Watussi-Rindes (Vorderansicht).
Die Schläfengrube, am vorliegenden Schädel 5,5 cm tief, ist verhältnissmässig schmal. — Die Hinterhauptfläche ist ganz ähnlich wie bei den echten Primigenius-Rassen Europas verhältnissmässig niedrig; sie beträgt in Prozenten der Hinterhauptsenge ausgedrückt nur 106,8 pCt.
Der Unterkiefer, welcher ebenfalls grosse Bedeutung für die Lösung der Frage nach der Rassenzugehörigkeit gehabt hätte, stand leider nicht zur Verfügung, da er beim Transport zur Küste in Verlust gerathen war.
Für die Bestimmung und Beurtheilung der Rinderrassen ist bekanntlich eine eingehende Betrachtung des Zahnbaues von grosser Wichtigkeit. Dieselbe ergiebt, dass wir es beim Watussi-Rinde mit einer sehr einfachen Bauart des Schmelzgerüstes und der Marken der Zähne zu thun haben. Der Verlauf der Buchten und die Form der Marken ist verhältnissmässig wenig komplicirt und erinnert merkwürdigerweise in manchen Stücken sehr an jene der Brachyceros-Gruppe. Wie dort so findet man auch hier die an der Medianseite der Oberkieferbackzähne befindliche grosse Schmelzfalte nur schwach entwickelt und von sehr einfachem Verlaufe. Am dritten (d. i. letzten) Molar-Zahn des Oberkiefers des vorliegenden Stierschädels ist diese Falte sogar vollkommen verschwunden. Dort, wo sich dieselbe sonst von der Medianseite des Zahnes ablöst, findet sich eine schmale, ziemlich tief nach dem Inneren des Zahnes zu sich erstreckende Bucht; in Folge dieser Einschnürung erscheint der ganze Zahn deutlich in eine vordere und hintere Hälfte getheilt.
Als besonders auffallend wäre hier ferner zu erwähnen, dass, wenn man afrikanische Rinderrassen zum Vergleiche herbeizieht, der Zahnbau des Watussi-Rindes am vollkommensten mit dem des schwachgehörnten oder ganz hornlosen Somali-Rindes übereinstimmt. Diese nicht zu übersehende Aehnlichkeit des Zahnbaues zwischen diesen beiden afrikanischen Rinderrassen ist deshalb so bemerkenswerth, weil dieselben sonst hinsichtlich des Körperbaues etc. so ungeheuer von einander verschieden sind.[36]