Das Pfeilgift wird aus einer Baumrinde von den Männern bereitet, wobei kein Weib zusehen darf. Die Ngaramaníg haben keinen Laibon, besuchen jedoch jene der Massai um Jagdzauber zu erhalten.

Die Wandorobo sind im Allgemeinen friedlich und gut geartet. Selbst die von Serengeti, die über bedeutende Macht verfügen, sind Fremden gegenüber stets freundlich. Sie sind vielleicht bildungsfähiger als die Massai, am Paregebirge und Panganifluss giebt es sogar sesshafte Ngaramaníg, welche Ackerbau treiben.

Als nahe Verwandte der Massai erscheinen sprachlich sowohl wie in ihrem Aeusseren die Wataturu, welche sich selbst Tatoga nennen. Vor einigen Jahrzehnten lebten sie noch ausschliesslich als Viehnomaden. Sie theilen sich in drei Stämme ein, die Brariga, Bayuta und Simityek. Die beiden ersten gelten als voll, die Simityek, von den Bantu »Wanonega« genannt, sprechen eine dialektisch verschiedene Sprache und gelten als Pariastamm, der sich vielfach von Jagd und Fischfang nährt. Alle drei Stämme bewohnten ursprünglich die Gegend Rotigenga, das Gamrit der Massai, die südöstlich von Ikoma (Elmarau) gelegen ist. Von dort wanderten die Bayuta nach Gurus, dem Mutyek der Massai, sowie weiter nach Süden bis zum Gurui-Berg aus, besassen besonders viele Lager und ungeheure Heerden im heutigen Ngorongoro und Mangati und durchstreiften die Steppen bis Ussandaui und Ugogo hin. Sie waren damals ebenso gefürchtete Viehräuber wie heute die Massai.

TAFEL XVIII

Meisenbach, Riffarth & Co. Berlin heliogr.

IRAKU-LEUTE WAFIOMI

Eine völlige Aenderung geschah durch den Einbruch der Massai, welche vor etwa 35 bis 40 Jahren zuerst auf das Plateau von Mutyek vordrangen und die Bayuta-Wataturu aus Ngorongoro verdrängten. Ein Theil derselben flüchtete sich nach Gamrit, die meisten jedoch zogen mit ihrem Häuptling Sagiro, der heute noch lebt, längs des Manyara südwärts. Aeltere Leute in Umbugwe erinnern sich noch genau daran, wie die Wataturu in ungeheueren Mengen mit Weib und Kind am linken Ufer des Kwou lagerten und von den Wambugwe Erlaubniss zur Ansiedlung erbaten. Da dieselben eine solche Masseneinwanderung nicht wünschten, wurde ihnen der Uebergang über den Kwou verweigert.

Viele schlossen sich nun ihren nomadisirenden Landsleuten am Gurui-Berg an, andere jedoch zogen mit Sagiro nach Unyambeïu in Unyamwesi und liessen sich dort nieder. Ihre Rinderheerden wuchsen wieder ungeheuer an, doch gerade dies wurde ihr Verderben, denn die Massai, die ihre Raubzüge immer weiter ausdehnten, drangen bis zu ihnen vor und beraubten nicht nur die Wataturu, sondern auch ihre Gastgeber, die Wanyamwesi. Letztere verweigerten daher den unbequemen Gästen die Erlaubniss, länger zu bleiben, und Sagiro zog, einer Einladung des Häuptlings Mtinginya folgend, nach Usongo. Doch bald bekam auch dieser Streit mit den übermüthigen Viehnomaden, und, da er selbst sich gegen sie zu schwach fühlte, rief er die Massai zur Hilfe. Zum letzten Male standen sich hier die stammverwandten erbitterten Feinde gegenüber, in blutiger Schlacht wurden Sagiro und die Seinen besiegt und alles Vieh von den Massai geraubt. Mit den wenigen Leuten, die ihm blieben, zog sich Sagiro erst nach Ntussu, dann nach Mbulu (Iraku) zurück, wo er heute noch lebt.

Nicht viel besser als den Bayuta erging es den Brariga von Gamrit. Auch diese wurden von den Massai verdrängt und verliessen das Land, das jetzt öde liegt, um am Victoria-Nyansa nördlich vom Speke-Golf zu nomadisiren. Doch auch dort blieben sie nicht ruhig, die Massai beraubten sie ihres Viehstandes und zersprengten sie gänzlich. Ihre spärlichen Ueberreste findet man auf der Insel Ukerewe, am Spekegolf, unter den Waschaschi von Ikoma, in Meatu und anderen Theilen von Usukuma.