Die Wataturu nannten früher ungeheure Rinderheerden ihr Eigen, heute beschränkt sich die Viehzucht auf Ziegen und Schafe, deren sie in Mangati recht viele besitzen, und wenige Rinder.
Im Ackerbau sind die Wataturu noch Anfänger, doch bauen sie in Mangati und Iraku mit Eifer Sorghum und Mais, während sie auf Ukerewe hauptsächlich von Pataten leben. Diese Kulturpflanzen liefern denn auch heute die Hauptnahrung, während sie früher aus Fleisch und Milch bestand. Besonders die Krieger durften früher nur Rindfleisch und Milch geniessen, ausserdem jedoch das Fleisch vom Büffel, Giraffe, Zebra, Gnu, der Swara-Antilope und ausnahmsweise auch das der auf Kiswahíli »povu« genannten Antilope. Wer jedoch das Fleisch der letzteren gegessen hatte, durfte am selben Tage keine Milch trinken. Das Fleisch aller anderen Thiere war streng verpönt. Das Aderlassen der Rinder mit dem charakteristischen Pfeil, war ebenfalls üblich und wurde das frische Blut wie bei den Massai getrunken und mit Milch zusammen gekocht. Das Kochen der Milch war überhaupt stets gebräuchlich. Ausserdem genossen die Krieger mit Vorliebe Kuhurin, dem sie ein Pflanzenmittel (Luidanda) sowie Kuhfett beimischten, worauf sie erbrachen und heftig abführten, jedoch Kriegsmuth bekamen. Tabak schnupfen und rauchen ist heute allgemein üblich.
Die Geräthe der Wataturu haben wenig Charakteristisches und sind meist den umwohnenden Stämmen nachgeahmt. Früher werden sie wohl — ähnlich wie die Massai — überhaupt nicht viele Geräthe besessen haben. Ihre Waffen bestehen aus Wurfspeeren, die jenen der Wambugwe gleichen, doch schlechter gearbeitet sind, aus einem Rundschild von Büffelhaut und aus den vorerwähnten Bogen mit vergifteten Pfeilen, die jedoch hauptsächlich zu Jagdzwecken dienen. Früher besassen sie breitklingige Speere, die jedoch nicht wie die der Massai eine übergreifende Zwinge, sondern einen eingelassenen Schaftdorn besassen. Sie waren an der Klinge hübsch ornamentirt und besassen reiche Schaftverzierung. Diese Speere findet man im Stamme selbst fast garnicht mehr, sondern nur noch bei den Wasukuma und Waschaschi als Paradewaffen. Sie wurden von einer Schmiedekaste, den Gidamudiga gefertigt, die eine ähnliche Stellung wie die Elkonono der Massai einnahmen, jedoch nicht verachtet wurden. Sagiro's Leute benutzten vielfach Vorderlader-Gewehre.
Von Handel kann bei den Wataturu kaum die Rede sein. Höchstens Sagiro's Leute befassen sich mit dem Verkauf von Elfenbein und Kleinvieh und die Mangati-Leute tauschen das Salz des Balangda-See an umwohnende Stämme gegen Kleinvieh um. Sie pflegen das Salz in halbkugelförmigen Klötzen in den Verkehr zu bringen.
Bei der Geburt eines Menschen wird meist eine Ziege geschlachtet und von den Verwandten gegessen. Die Beschneidung wird in früher Jugend vollzogen. Beim Reifwerden werden die Zähne nach Massai-Art hergerichtet, das heisst die vordersten oberen Schneidezähne vorgebogen, die entsprechenden unteren ausgebrochen. Doch kommt diese Sitte immer mehr ab. Eine Absonderung der jungen Leute fand niemals statt, dieselben hausten stets im Kraal der Eltern.
Alte Speerformen der Wataturu.
Will ein junger Mann heirathen, so bringt er dem Vater seiner Erwählten einen Honigtopf. Wird dieser angenommen, so kann die Hochzeit stattfinden, bei der keine besondere Zeremonie üblich ist. Früher bekam die Braut von ihrem Vater meist zwei Stiere und eine Milchkuh in die Ehe mit, dasselbe der Bräutigam von seinen Eltern. Jetzt erhalten sie meist Ziegen, auch pflegt man ihnen ein Tembe zu bauen. Vielweiberei ist üblich. Die Weiber verrichten nur häusliche Arbeiten, ausserdem errichteten sie früher die Lagerhütten und tragen jetzt beim Tembebau den Lehm auf. Die Sorge für Nahrungsbeschaffung, also gegenwärtig auch der Ackerbau, obliegt ausschliesslich den Männern. Im Gegensatz zu den meisten Bantu, wo die Hauptlast auf den Schultern der Weiber liegt, kann man diese in den Taturu-Dörfern meist bequem auf den Kehrichthaufen umherlungern sehen, während die Männer das Feld bestellen. Daher sind auch die Wataturu als Gatten bei den umwohnenden Stämmen sehr beliebt und Mischheirathen, besonders mit Wafiomi, kommen sehr häufig vor.
In Krankheiten pflegt der Zauberdoktor Brechmittel, Schröpfen (besonders am Scheitel) anzuwenden und den Kranken zu brennen. Todte werden in den Busch geworfen und nicht mehr beachtet, nur berühmte Zauberdoktoren werden begraben. In früherer Zeit wurde das Lager, in welchem Jemand starb, als unglückbringend verlassen.
Ein Geisterkultus ist nicht bekannt, wie bei den Massai herrscht der Glaube an einen Gott, mit welchem der Zauberer den Verkehr vermittelt. Dessen durch Vieh zu bezahlender Rath wird öfters eingeholt, auch giebt er sich mit Regenmachen ab. Die Würde des Zauberers ist erblich, die Häuptlinge, voran Sagiro, der von allen Wataturu als Oberhaupt anerkannt wird, sind nichts anderes als Oberpriester ohne direkten, politischen Einfluss. Die Gerichtsbarkeit wird von den Aeltesten ausgeübt. Bei Diebstahl bekommt der Bestohlene ein Rind, den übrigen Besitz des Diebes ziehen die Aeltesten ein. Mord wird stets durch Blutgeld gesühnt.