Kriege der Wataturu unter einander kommen vor; bei diesen sehen die Aeltesten ruhig zu und legen sich ins Mittel, sobald einige Leute gefallen sind. Aeusserst blutig waren jedoch die Kämpfe gegen die Massai, gegen welche sie grimmigen Hass hegen. Wer einen Massai getödtet, trägt Messingschmuck und zwei Messing-Halbmonde an der Stirn.

Sklaverei ist unbekannt, sie selbst jedoch litten mehrfach unter Sklavenjagden und Wataturu-Sklaven kommen vereinzelt in Unyamwesi und selbst an der Küste vor.

Eine Zukunft ist den Wataturu nicht zuzusprechen. Der Stamm hat zu wenig Widerstandskraft, um den grossen Sprung vom Viehnomaden zum Ackerbauer erfolgreich zu überstehen. Besonders die zahlreichen Heirathen mit anderen Stämmen werden das rasche Verschwinden der Wataturu herbeiführen. Für diese jedoch, vor allem für die Wambugwe, war und ist die Vermischung mit hamitischem Blut ein nützliches Ferment, welches sie über das Niveau anderer Bantustämme erhebt.

Wenn die Wataturu gewissermaassen den Uebergang vom Viehzüchter zum Ackerbauer darstellen, so gelangen wir mit den Wafiomi zu den reinen Ackerbauern. Unter Wafiomi werden hier jene zusammengehörigen Stämme verstanden, welche die Landschaften Ufiomi, Iraku, Uassi und Burunge bewohnen. Dieselben bilden sprachlich und ethnographisch ein Ganzes, obwohl sie durch die Verschiedenheit des Wohnortes manche Unterschiede aufweisen. So sind die Leute von Uassi und Burunge durch die umwohnenden Bantu, die Warangi, beeinflusst, während die Bewohner von Ufiomi und Iraku sich sehr ursprünglich erhalten haben.

Die Wafiomi sind jedenfalls alte, vielleicht mit den Wassandaui die ältesten Bewohner der abflusslosen Gebiete. Bei den meisten anderen Stämmen, bei den Massai, Wataturu, selbst bei den sesshaften Wambugwe haben sich dunkle Ueberlieferungen früherer Einwanderung erhalten. Bei den Wafiomi findet sich nichts ähnliches; sie behaupten, die Gebiete, die sie heute innehaben, seit jeher bewohnt zu haben. Einige meiner Leute, die früher nie in diesen Gegenden gewesen, konnten sich mit den Wafiomi nothdürftig verständigen, indem sie die Sprache redeten die in Lumbwa, Sotik und bis Nandi und Kamassia von den dortigen, wenig bekannten Eingeborenen gesprochen wird. Man könnte danach die Wafiomi als eine Aboriginer-Bevölkerung der Plateauländer westlich vom ostafrikanischen Graben betrachten.

Die Sprache der Wafiomi wird von keinem der umliegenden Stämme verstanden und gehört weder der Bantu noch der nilotischen Gruppe an. Sie ist nicht unschön und nähert sich in der Klangfarbe dem magyarischen. Die wenigen Proben, welche ich erlangen konnte, lassen sie als rein hamitisches Idiom erscheinen. Wahrscheinlich ist es einer der ältesten Zweige der interessanten hamitischen Gruppe und wäre näheres Studium wohl werth.

Die Wafiomi sind hager, mittelgross, von nicht unschönen Körperformen und feinen Extremitäten. Ihre Gesichtszüge sind vielfach scharf geschnitten, weniger typisch negerhaft als echt hamitisch. Einen besseren Begriff als jede Beschreibung werden die beigegebenen Abbildungen nach Photographien geben. (Tafel 18, 20, 21, Abb. pag. 117, 120 und Schlussvignette des Kapitels.) Bei den Schmutzmassen, welche den Körper der Wafiomi bedecken, ist deren Hautfarbe nicht leicht zu bestimmen, doch sind die Bewohner des Tieflandes meist dunkler als die der Gebirge, besonders die Leute im südlichen Iraku sind auffallend lichtfarbig. Hamitenhaare, ja fast glatter Haarwuchs kommt häufig vor. Sie scheinen eine sehr gesunde Rasse, Greise sind besonders in Iraku häufig. Sie pflegen die Haare lang wachsen zu lassen und dieselben in viele kleine Strähnen zu drehen. Da sie diese Frisur jedoch nur selten erneuern, so wallen ihnen meist Haarmassen um den Kopf, deren wüstes Aussehen durch einige am Scheitel angebrachte ruppige Federn noch erhöht wird. Beide Geschlechter sind beschnitten. Die beiden vorderen unteren Schneidezähne pflegen die Weiber auszubrechen, die Männer die oberen nach Massai-Art vorzubiegen.

In den Ohren tragen sie runde Holz- oder weisse Knochenscheiben, manchmal auch Messingspiralen, öfter braune dürre Blätter, um den Hals Glasperlen. Die Weiber tragen Eisen- und Lederringe an dem Unterarm.

Die Bekleidung besteht bei Männern aus einem Ueberwurf aus Leder, welches oft siebartig von feinen Löchern durchbohrt wird wodurch es förmlich »Lederspitzen« gleicht. Freilich gewinnt die Solidität nicht durch dieses Verfahren und gar manchem Mfiomi hängen seine Lederspitzen in Fetzen um den Leib. Die älteren Leute pflegen längere Mäntel zu tragen, die Weiber einen Lendenschurz, in kälteren Gegenden wohl auch einen Ueberwurf. Der Gesammteindruck der Wafiomi ist kein übermässig vortheilhafter, aber ein im hohen Grade origineller. Ein Mfiomi, der aus seiner Erdhöhle hervortretend, von Schmutz starrend, mit zerfetzter Bekleidung, wilden Haarmassen und scharfen, misstrauisch verzerrten Gesichtszügen den Fremden anstarrt, stellt den Idealtypus eines »Wilden« dar, wie man ihn nur selten findet.

Dem Aeusseren entspricht so ziemlich auch der Charakter. Mit Ausnahme der Irakuleute, von den Swahíli meist Wambulu genannt, die stets den Ruf der Gutmüthigkeit hatten, gelten alle Wafiomi als boshaft. Die Burunge-Leute haben die Araber von Irangi nach harten Kämpfen unterworfen. In Uassi wurde ich bei meinem Durchmarsch räuberisch angefallen, doch war eine Verständigung zu erzielen. Besonders gefürchtet waren stets die Bewohner von Ufiomi, dem Soïebus der Massai, die auch schon mehrmals Küstenkarawanen niedergemetzelt hatten, ja sogar einen Einfall der gefürchteten Ober-Aruschaner mit Glück abschlugen. Am Westufer des Maitsimba-Sees haben die Wataturu-Häuptlinge Sagiro's, vor allen Gwandu, einige Ordnung geschaffen. Auch am Ostufer fand ich übrigens scheue, doch freundliche Aufnahme, anscheinend hatten die Niederlagen der Wambugwe einerseits und der Wauassi andererseits ihre Wirkung nicht verfehlt.