Trotz ihres kriegerischen Sinnes konnten die Wafiomi doch niemals den Massai Widerstand leisten und verloren ihren Viehstand an dieselben.
Von besonderem Interesse sind die Wohnungen der Wafiomi, welche geeignet sind Licht auf die Entstehung des Tembebaues zu werfen. Es muss nämlich befremden, dass die sämmtlichen sesshaften Völker des abflusslosen Gebietes, mögen sie nun Bantu, Wafiomi oder Wassandaui sein, in Temben wohnen, während man sonst in Mittelafrika nur Rund- oder viereckige Hütten findet. Man hat angenommen, dass die Temben aus dem Typus des Massai-Lagers entstanden seien, indem man zu ständigeren Siedelungen statt des unregelmässig runden einen viereckigen Grundriss wählte.
Doch ist dieser Uebergang, welcher bei den Wakuavi in Usegua[17] am reinsten vertreten ist, vor Allem nur bei angesiedelten Viehnomaden denkbar, während die oben genannten Stämme stets Ackerbauer waren, ferner kann das Massai-Lager nur zur Entstehung des Hof-Tembe, niemals jedoch des völlig eingedeckten Tembe führen, von welchem jedes eine Familie beherbergt. Dieses muss eine andere Entstehungsgeschichte haben, zu welcher wir im südlichen Iraku die Erläuterung finden.
Dort sind nämlich heute noch drei Wohnungstypen im Gebrauch: Rundhütte mit cylindrischer Lehmwand und Blätterdach, geschlossenes Tembe und Erdstall. Bei flüchtiger Betrachtung könnte man annehmen, dass der Erdstall, dieses Urbild einer primitiven Siedelung, hier die ursprüngliche Form darstelle, und dass aus dieser sich Tembe und Rundhütte entwickelt haben. Thatsächlich ist der Gang jedoch ein umgekehrter. Ursprünglich bewohnte man die Rundhütte, bis feindliche Einfälle, besonders der Massai, das Blätterdach als zu feuergefährlich erscheinen liessen. Man gab der Hütte ein Lehmdach. Thatsächlich habe ich im südlichen Ikoma, wo der Umwandlungsprozess eben im Gange ist, Rundhütten mit flachem Lehmdach gesehen. Es ist jedoch begreiflich, dass diese Form sich nicht lange halten kann, die Auswahl ungleich langer Stangen für das Dach ist zu unbequem, als dass nicht bald der Gedanke auftauchen sollte, dem Unterbau statt einer cylindrischen eine viereckige Form zu geben — und der Tembe ist fertig. Doch auch dieser erscheint zu exponirt, man baut ihn immer niedriger, man tieft den Boden, wenn seine Beschaffenheit dazu günstig, immer mehr ein um gebückt stehen zu können; man macht schliesslich die Decke dem Erdboden gleich — und der Erdstall ist gegeben.
Wenn wir die verschiedenen Wohnungsformen der Wafiomi betrachten, so finden wir in Uassi und Burunge völlig den Warangi gleichende Temben mit Knüppelzäunen für das Vieh.
In Ufiomi sind die Temben (Abb. pag. 116) an der meist nach Westen gerichteten vorderen Seite ca. 1,50 m, an der Hinterseite aber nur 0,50 m hoch. Auch die Vorderseite ist in der Mitte höher als an den Seiten, so dass das rothe Lehmdach nach drei Seiten hin geneigt ist. An der Vorderseite befindet sich ein Vordach und durch eine breite Thür gelangt man in das Innere, in welchem der Boden meist so vertieft ist, dass man im Vordertheil des Raumes stehen kann. Dort befinden sich hohe, lehmverstrichene Vorrathskörbe, die auf Holzgestellen stehen. Im dunklen, hinteren Theil der Temben ist der Heerd, neben welchem der Eingang zu den merkwürdigen Zufluchtshöhlen sich befindet. Dieselben werden in den lehmigen Boden gegraben. In dem völlig dunkeln Temberaum a mündet ein vertikaler etwa 2 m tiefer Schacht, aus dessen Unterseite ein Gang leicht bergab führt in dem man auf Händen und Füssen kriechen muss. Nach etwa 20-30 m gelangt man in einen cylindrischen Raum b, der nach Tembeart gestützt ist. Dieser bildet die Sohle eines zweiten Brunnens, der im offenen Felde mündet und dessen Oeffnung mit einer Schicht Stroh und Erde bedeckt und nur für Kundige zu finden ist. Manchmal sind zwei Temben unterirdisch verbunden, manchmal führen aus dem cylindrischen Raum Gänge noch weiter, so dass ganz Ufiomi förmlich unterminirt ist. Diese Höhlen werden erst seit der Zeit der Massaieinfälle gegraben und waren früher unbekannt. Sie dienen im Kriegsfall als Zuflucht hauptsächlich für Weiber und Kleinvieh. Die zweite Oeffnung dient theils als Luftloch, theils um im Nothfall einen Ausweg zu eröffnen.
Schematischer Durchschnitt der Wafiomi-Erdhöhlen.
In Iraku finden sich, wie oben erwähnt, drei Arten von Wohnstätten. Die Rundhütten treten nur im Süden vereinzelt auf, wo das Land feindlichen Einfällen weniger ausgesetzt, überhaupt am ursprünglichsten ist. Sie besitzen lehmausgefüllte cylindrische Wände und Grasdach, einen niedrigen Unterraum und dunkeln Dachraum, in dem sich Stützen für das Dach, doch kein Mittelpfahl befindet. Der ganze Bau ist sehr nachlässig ausgeführt. Weit besser sind die Temben gebaut, die meist flaches Dach und ausgetieften Boden haben und deren Rückwand der Berghang bildet. Nicht selten findet man vollständige Keller, in den Lehmhang eingeschnittene Höhlungen, die innen mit Stangen gestützt werden und in die man durch ein Loch im Hang gelangt.
TAFEL XIX