Unterirdische Wohnstätten in Iraku.

Noch charakteristischer ist die Form, welche ich als »versunkenes Tembe« bezeichnen möchte. In den festen, rothen Lateritboden wird ein mindestens 3 m tiefes und 10 und mehr Meter im Quadrat haltendes, meist viereckiges, manchmal auch dreieckiges oder unregelmässiges Loch gegraben. Zum Eingang führt ein gebogener, schmaler Weg, der zwischen Lehmwänden eingeschnitten und nach aussen geneigt, zugleich den Regenmassen Abfluss gewährt. Das Loch wird mit einem gewöhnlichen Tembedach überdeckt, dessen rothe Fläche die einzige Spur einer menschlichen Wohnung ist. Das Innere ist recht geräumig, Menschen und Vieh hausen meist in einem Raum zusammen. Manchmal führt im Innern ein Gang als weitere Zuflucht in die Tiefe. —

Die Jagd wird von den Wafiomi mit Speeren und Fallen, seltener mit vergifteten Pfeilen betrieben. In den Urwäldern von Ober-Iraku und Meri pflegen die Eingeborenen 5-6 m tiefe cylindrische Gruben auszuheben, die meist zu drei angelegt und zum Fangen von Elephanten bestimmt sind. Dem Honig der Waldbienen stellen sie eifrig nach, Fischfang im recht fischreichen Maitsimba-See betreiben sie jedoch gar nicht.

Die Viehzucht hat durch die Massai-Einfälle sehr gelitten und beschränkt sich gegenwärtig, wo auch noch die Seuche tüchtig aufgeräumt, fast nur auf Kleinvieh. Nur in Iraku trifft man noch ziemlich viele Rinder.

Alle Wafiomi betreiben mit grossem Eifer Ackerbau, besonders in Iraku ist das Land mit Feldern bedeckt. In Uassi und Ufiomi baut man nur Sorghum, in Iraku daneben auch Mais, Eleusine, Penicillaria und vortreffliche Kürbisarten. Merkwürdig ist hier, wie bei allen Völkern des abflusslosen Gebietes, das Fehlen der Banane in Gegenden, die zum Anbau dieser Kulturpflanze wie geschaffen erscheinen. Der Grund liegt wohl hauptsächlich darin, dass die besiedelten Theile des abflusslosen Gebietes rings von Steppen oder doch unbewohnten Gebieten umschlossen sind. Durch diese konnten nur die leicht transportabeln Samenpflanzen, wie Sorghum, Mais, Eleusine, Penicillaria, Kürbisse gelangen, während Bananen, Maniok, süsse Kartoffeln und andere weit verbreitete, aber immerhin schwer zu befördernde Pflanzen nicht dahin kamen. Unerklärlich allerdings erscheint, warum die Hülsenfrüchte, deren Samen doch so leicht verbreitbar sind, gänzlich fehlen. —

Die oben genannten Kulturpflanzen liefern die Hauptnahrung der Wafiomi. Ausserdem essen sie auch das Fleisch aller Thiere mit Ausnahme von Fischen und Flusspferden, die als unrein gelten. Das Rauchen, Schnupfen und Kauen von Tabak ist bei beiden Geschlechtern üblich. Kochsalz wird aus Mangati bezogen. —

An originellen Geräthen besitzen die Wafiomi nur wenige. Eisensachen und Kalebassen werden meist aus Irangi bezogen, Körbe aus Gras selbst geflochten. Die Töpfe sind ziemlich schlecht, am Halse manchmal mit Zebrafell benäht. Zur Aufnahme der Milch dienen hölzerne Gefässe, die sich ähnlich auch in Ukerewe und am Ostufer des Victoria-See finden.

Als Waffen dienen Wurfspeere mit eingelassener Spitze und lederne Rundschilde, sowie zur Jagd Bogen und vergiftete Pfeile.