Topf der Wafiomi.
Milchgefäss der Wafiomi.
Der Verkehr mit der Aussenwelt beschränkt sich auf den mit den Wataturu und Wambugwe. Ueber Uassi gelangen die Industrieartikel aus Irangi nach Ufiomi und Iraku. Früher zogen Leute aus Irangi direkt nach Iraku, um Granaten, die dort häufig vorkommen und in Irangi als Ohrschmuck getragen werden, zu kaufen. Wasukuma und andere Wanyamwesi kommen behufs Vieh- und Elfenbeinhandel manchmal ins Land.
Die Sitten der Wafiomi sind eigenartig, wenn auch vielfach durch Bantugebräuche beeinflusst. Die Beschneidung und das Ausbrechen bezw. Vorbiegen der Zähne wird bei beiden Geschlechtern erst beim Reifwerden vorgenommen. Bei Mädchen findet dann ein besonderes Fest statt, bei welchem mit der nebenstehend abgebildeten Klapper gerasselt wird. Dann bleibt das Mädchen ein Jahr im Tembe in einem von den Männern gesonderten Raum. Sie darf keine Nahrung berühren und wird von anderen Weibern gefüttert und getränkt, auch darf sie ihr Haar nicht scheeren. Zur Nachtzeit jedoch verlässt sie das Tembe und tanzt mit jungen Männern.[18]
Klapper, Wafiomi.
Will ein junger Mann heirathen, so schickt er dem Vater der Auserwählten Pombe, dessen Annahme als Einwilligung gilt. Das Brautgeld besteht gewöhnlich aus drei Ziegen und einem Spaten; ist der Bräutigam jedoch arm, so braucht er nur Pombe und Honig zu bringen. Vielweiberei ist allgemein üblich. Die Geschlechter nehmen ihre Mahlzeiten getrennt ein. Die Arbeiten sind so ziemlich gleich auf Mann und Weib vertheilt, welch' letztere sich auch am Ackerbau betheiligen. Eine unbeliebte Frau wird dem Vater zurückgeschickt. Heirathet sie wieder, so gehört das erste Kind dem Manne der ersten Ehe, das zweite dem der zweiten, das dritte wieder dem der ersten Ehe u. s. w. bis zum achten Kind, worauf alle Kinder dem Manne aus zweiter Ehe gehören, ein höchst merkwürdiger und seltsamer Gebrauch. Die Wafiomi heirathen meist im Stamme, selten Wambugwe-Weiber, doch werden Wafiomi-Weiber oft von Wambugwe und Wataturu zur Ehe genommen.
Will jemand ein Haus bauen, so ist ihm die ganze Nachbarschaft dabei behilflich, die Männer errichten das Holzwerk und tragen die Graslagen auf, die Weiber schütten den Lehm auf's Dach.
Eine grosse Rolle spielt der Zauberdoktor, der »Regen macht« und bei Krankheiten Amulettzauber, seltener Pflanzenmedizin anwendet. Schneidet sich jemand zufällig, so gilt dies als sehr böses Zeichen und es wird sofort ein Schaf erwürgt und der Betreffende mit dem Mageninhalt bespritzt, was überhaupt als Friedenszauber gilt.