Man glaubt an natürlichen Tod und Tod durch Zauberei, doch hat letzterer nichts im Gefolge. Ein Verstorbener wird in Ufiomi kauernd mit Fell und Ledersandalen vor dem Tembe beerdigt. In Iraku, wo ich, um Schädel zu sammeln, mehrmals Gräber öffnete, waren dieselben ebenfalls stets vor den Temben und bestanden aus 2 m tiefen Schächten, von deren Sohle ein Seitenschacht ausging, in welchem der Todte auf einem Brett stets mit Lederzeug und Sandalen bestattet war.

Den Geistern der Verstorbenen bringt man Todtenopfer von Pombe; auch werden ihnen zu Ehren Tänze aufgeführt, bei welchen eine kleine gestielte Trommel gerührt wird, die ganz jener der Wapare gleicht. Ein Gottesbegriff ist vorhanden, Gebete sind jedoch nicht gebräuchlich.

Die Bewohner benachbarter Distrikte führen keine Kriege untereinander, sondern prügeln sich nur mit ihren langen Stöcken. Den Krieg nach Aussen beschliesst der Zauberdoktor, der auch Anführer desselben ist. Der Kampf besteht in Gefechten auf freiem Felde, selbst im Siegesfall dringen die Kämpfer nicht in Feindesland ein. Männliche Kriegsgefangene werden nicht getödtet, sondern zur Auslösung aufbewahrt, laufen jedoch meist davon. Die Wafiomi halten keine Sklaven, wurden jedoch mehrmals von den Ober-Aruschanern (zuletzt 1891) behufs Sklavenraub angefallen und es sollen sich in Ober-Aruscha Wafiomi-Sklaven befinden.

In Streitfällen entscheiden die Aeltesten. Diebstahl im eigenen Land ist unerhört und sehr schimpflich, Fremde zu bestehlen gilt als ehrenvoll. Mord wird durch Blutgeld gesühnt, nur wenn letzteres nicht geleistet wird tritt Blutrache ein. Ausständige Schulden tilgt der Gläubiger durch selbstständige Pfändung. Grund und Boden gilt niemals als Besitz, nur die darauf stehenden Feldfrüchte sind Eigenthum, das vom Nachbarfeld abgegrenzt wird. Daher kann Jeder unbeackertes, wenn auch früher bebaut gewesenes Land bestellen und erhält dadurch Recht auf die Ernte. Ebenso kann Vieh überall weiden.

Sternschnuppen gelten als böses Zeichen, der Mond und die Jahreszeiten geben die Zeiteintheilung.

Das Gesammtbild der Wafiomi ist das eines noch völlig unberührten, im Grunde gut gearteten Naturvolkes. Bei den traurigen Erfahrungen, die sie von ihren Nachbarn, besonders den Massai gemacht, ist es nicht verwunderlich, dass sie bisher allen Fremden feindlich gegenüber standen, doch wird es zweifellos gelingen, sie in dieser Hinsicht zugänglicher zu machen. Wurde mir als erstem Weissen in dem berüchtigten Ufiomi doch wenigstens kein feindlicher, in Iraku sogar ein harmlos freundlicher Empfang zu theil. Sobald die Wafiomi vor feindlichen Einfällen gesichert und nicht mehr gezwungen sind, sich gleich wilden Thieren in Erdhöhlen zu verbergen, werden sie sicher ihre Eigenschaften als treffliche Ackerbauer noch weiter entfalten und zur Besiedelung der herrlichen noch unbewohnten Plateauländer beitragen. Ob sie freilich zu einer höheren Kulturmission geeignet erscheinen, ist bei dem konservativen Sinn und der völligen, bis zur Verwahrlosung getriebenen Bedürfnisslosigkeit dieses Volkes fraglich. Auch ist es nicht wahrscheinlich, dass sie einem stärkeren Eindringen des Bantu-Elementes widerstehen werden.

Vorläufig nehmen die Bantuvölker, jener Hauptstamm Mittel-Afrika's, im abflusslosen Gebiet noch keinen grossen Raum ein. Das bedeutendste Volk sind jedenfalls die Wagogo, die schon von mehreren Reisenden beschrieben worden sind und auf die ich schon deshalb nicht näher eingehe, weil ich nur wenige Vertreter dieses Stammes kennen gelernt. Die Wanyamwesi dagegen, deren Wohngebiet besonders in den Zweigstamm der Wakimbu ins abflusslose Gebiet übergreift, und die viele Ansiedelungen in demselben besitzen, sollen an anderer Stelle Erwähnung finden. Wir wenden uns daher gleich den nördlich, in direkter Nachbarschaft der Wafiomi lebenden Warangi und Wambugwe zu.

Die Stämme der Wambugwe und Warangi gehören, obwohl räumlich ziemlich getrennt lebend, doch einer Gruppe an, ja sie bilden thatsächlich nur einen Stamm. Da jedoch die Warangi durch ihren starken Verkehr mit Fremden, sei es Küstenleuten, sei es Wagogo und Wanyamwesi, viel von ihrer Ursprünglichkeit verloren haben, so wird nachfolgend hauptsächlich von den Wambugwe die Rede sein.

Die Wambugwe bewohnen ein sehr beschränktes Gebiet. Ihre Wohnstätten, die Temben, sind in der baumlosen Salzebene am Südende des Manyara-See verstreut, welche, eine alte Fortsetzung des Sees bildend, zur Regenzeit theilweise mit Salzwasser überschwemmt ist und nur stellenweise spärlichen Graswuchs gedeihen lässt. Die Felder liegen südlich und östlich von dieser Ebene in fruchtbarerem Gebiet. Die Warangi hausen in den hügelartigen Landschaften, welche sich bei der Araber-Niederlassung Kondoa (Irangi) ausdehnen, sowie nordöstlich davon in Tandala. Die ebenfalls zu Irangi gehörigen Distrikte Uassi und Burunge haben keine Warangi- sondern Wafiomi-Bevölkerung.

Ihre Abkunft leiten die Wambugwe von Irangi, also aus dem Süden her; doch ist es zweifellos, dass ihre Einwanderung schon vor vielen Generationen erfolgte. Ihrer Sprache nach sind die Wambugwe ein Bantu-Volk und gehören möglicherweise mit den Wagogo einer Gruppe an. Doch scheint es sicher, dass sie viele fremde Elemente, vor allem Wataturu und Wafiomi, in sich aufgenommen haben. Immerhin weist der Stamm, wie er sich uns heute darstellt, physisch ein ziemlich einheitliches Gepräge auf.