Die Wambugwe sind mittelgrosse schlanke und kräftige Leute von oft tadellosen Körperformen. Die Gesichtszüge bilden ein Mittelding zwischen hamitischen und reinem Negertypus; der nebenstehend abgebildete Häuptling Mbi zeigt dieselben in besonders charakteristischer Weise. Die Hautfarbe hat vorherrschend chokoladebraune, rothbraune bis gelbliche Töne, besonders unter den Weibern trifft man hellfarbige, ungemein zierliche Gestalten. Die Haltung ist eine freie und stolze, der Gesichtsausdruck intelligent.

Wambugwe-Häuptling Mbi.

Diesem Aeusseren entspricht auch der Charakter, der den Mbugwe vor allem zum Krieger stempelt. Von drei Seiten von ungeheuren Steppenländern, auf der vierten vom Steilabfall des Plateaus begrenzt, ist das Umbugwe-Ländchen von allen Seiten den Einfällen feindlicher Stämme, vor allen der Massai und Ober-Aruschaner ausgesetzt. Während die umwohnenden Stämme, wie die Wataturu und Wafiomi unter diesen Einfällen schwer litten und ihr ganzes Vieh an die Massai verloren, wussten die Wambugwe trotz der ungünstigen, völlig offenen Lage ihres Ländchens sich doch alle Feinde vom Halse zu halten und ihre kostbarste Habe, ihr Rindvieh, zu vertheidigen. So verächtlich der Massai auch über die meisten »Mangati« (Ackerbauer-Feinde) denkt, den Ltoroto, wie er die Wambugwe nennt, kann er seine Achtung nicht versagen. Denn gar oft haben die wilden Viehräuber der Steppe sich blutige Köpfe in Umbugwe geholt, ja mehrmals kehrten die Wambugwe den Spiess um, sie fielen ihrerseits im Massailande ein, erstürmten die Kraals am Donyo Kissale und trieben das Vieh weg.

Die Erfahrungen, welche sie seit jeher gemacht, mussten dazu beitragen, die Wambugwe misstrauisch gegen alles Fremde zu machen. Mehrmals wurden Handelskarawanen von der Küste, die in völlig harmloser Absicht kamen, von ihnen überfallen, ausgeraubt und fast vollständig aufgerieben, so dass jahrelang sich Niemand als die unerschrockenen Elephantenjäger nach Umbugwe wagte. Auch diese schwebten fortwährend in Lebensgefahr und waren allerlei Uebergriffen von Seiten der Eingeborenen ausgesetzt.

Auch mir, dem ersten Europäer den sie sahen, wollten die Wambugwe in gleicher Weise begegnen, doch bekam ihnen dies schlecht: zum ersten Mal empfingen die nie Besiegten eine empfindliche Niederlage. Doch gerade ihr Verhalten nach derselben zeigt von dem klaren Verstand der Wambugwe. Während andere Stämme, wenn ihr Angriff abgeschlagen ist, sich meist in alle Winde verlieren, gänzlich unerreichbar sind und den nächsten Europäer der durch ihr Gebiet kommt wieder anfallen, erkannten die Wambugwe sofort, dass sie einer überlegenen Macht gegenüberstanden. Es kam zu einer Verständigung und die Schonung der Verwundeten und Auslieferung der Kriegsgefangenen meinerseits trug nicht wenig zur Befestigung der neuen Freundschaft bei. Fast ein Jahr später fand ich die Wambugwe gänzlich umgewandelt als friedliche, zugängliche Leute und Küstenkarawanen sowohl wie andere Reisende, die nach mir das Land besuchten, fanden die beste Aufnahme.

Wenn wir das Aeussere der Wambugwe betrachten, so finden wir, dass dieselben sich von der Alles überfluthenden Massai-Mode ziemlich unabhängig gehalten haben (Abb. Taf. 4 und pag. 22). Die Stammesmarke bei Männern und Weibern besteht aus einem von der Nasenwurzel über die Wangen verlaufenden Schnitt. Das Haupthaar tragen sie entweder abrasirt oder sorgfältig in ganz kleine Zöpfchen geflochten. Kleine Holzstücke oder einige Glasperlen dienen als Schmuck der Ohren. Die jungen Männer pflegen auf Reisen und auf der Jagd nackt zu gehen, sonst besteht die Kleidung aus einem Lendenschurz oder Mantel von ungemein weich und biegsam gegerbtem Leder, welches mit Glasperlen verziert und gelb, braun oder roth gefärbt wird. Zeug wird, seit das Land erschlossen ist, immer mehr getragen. Die Weiber bekleiden sich mit einem Lendenschurz aus Leder. An den Beinen werden häufig Eisendraht und Glasperlen getragen, an den Füssen schöne mit Glasperlen verzierte Ledersandalen. Die Beschneidung ist üblich. Als Kriegsschmuck tragen die jungen Leute häufig einen Büschel Federn in den Haaren.

Die Wohnungen der Wambugwe (Abb. pag. 18) bestehen aus quadratischen, nach den Weltgegenden orientirten Temben, die in Entfernungen von 30-40 m von einander in der Ebene verstreut sind. Dieselben sind ungleich gross und haben von 6-50 m im Geviert, dienen jedoch selten mehr als einer Familie zum Aufenthalt. Trotz ihrer oft bedeutenden Ausdehnung sind die Temben nur brusthoch. Die Seitenwände bestehen aus Stangen mit Lehmverkleidung, das flache Dach, welches das ganze Tembe bedeckt, besitzt eine Unterlage von Stangen aus dem festen Kernholz der Dumpalmen, auf welchen eine Schicht quergelegter Sorghumstengel und die Lehmauflage folgt. In der Mitte der Dachfläche wird manchmal eine Stange als Zierrath aufgestellt. Die grösseren, besonders die Häuptlingstemben haben an der (westlichen) Vorderseite ein 1½ m, an den übrigen ½ m breites Vordach. Der Innenraum dient als Aufenthalt für Menschen und Vieh. Die kleineren Temben bestehen aus einem einzigen Raume mit vielen Dachstützen und höchstens einer Einzäunung für das Vieh, die grösseren aus mehreren, durch Wände getrennten Wohnstätten. Bei ihrer Niedrigkeit, der darin herrschenden absoluten Dunkelheit und den unzähligen Stangen und Verschlagwänden sowie dem Stalldunst, bieten die Temben gerade keinen behaglichen Aufenthalt, um so weniger als es darin von kleinen Zecken, den sogenannten Papassi, wimmelt.

Die Warangi haben dieselben, doch weniger gut gebauten Temben, dieselben liegen jedoch nicht einzeln, sondern zu drei oder vier, einen kleinen Hof umschliessend, der gegen Aussen durch einen Knüppelzaun abgesperrt ist.

Die Jagd spielt bei den Wambugwe eine ziemlich grosse Rolle und wird mit dem Wurfspeer, seltener mit Bogen und Pfeil ausgeübt. Fischfang wird nur zu Zeiten grosser Hungersnoth im Kwoufluss betrieben.