Weit wichtiger ist die Viehzucht, die allerdings durch die Seuche stark gelitten hat, immerhin aber noch recht bedeutend ist. Das Mbugwe-Rind ist ein echtes Zebu mit starkem Höcker, kräftiger, untersetzter Gestalt und meist kurzen Hörnern. Es ist verschieden, braun, schwarz und grau gefärbt, auch Blässen sind nicht selten. Wie bei den meisten afrikanischen Rindern, ist der Milchertrag ein geringer, ein Liter täglich gilt schon als ganz gute Leistung. Die Rinder grasen durchweg in der Salzebene um die Temben herum und verlassen deren Umkreis niemals. Obwohl sie anscheinend nur spärliche Weide finden, gedeihen sie doch vortrefflich und sind von seltener Ausdauer und Zähigkeit. Ich hatte Umbugwe-Rinder während meiner ganzen Reise mit und dieselben vertrugen das kalte Plateauklima ebensogut wie Hitze und Wassermangel in der Steppe, ja selbst die starken Märsche ermüdeten sie keineswegs. Die Wambugwe pflegen ihre Rinder durch Einschnitte in die Ohren zu bezeichnen.

Unter den Rindern treiben sich in der weiten Ebene des Dorfgebietes zahlreiche, halbwilde Esel herum. Dieselben sind kräftig gebaut, haben eine glänzend silbergraue Farbe und sehr oft leichte Streifung an den Beinen, erinnern also lebhaft an den wilden Esel der Somali-Länder. Sie werden nur zum Herbeitragen von Feuerholz, das sehr weit hergeholt werden muss, benutzt, laufen aber meist frei umher. Auch die Esel fand ich, sobald sie gezähmt sind, was rasch gelingt, sehr ausdauernd. An Kleinvieh werden viele Ziegen und Schafe, an Geflügel Hühner gehalten. Hunde und auffallend viele Katzen sind überall zu finden.

Der Ackerbau wird nicht im Tembegebiet getrieben, weil dasselbe in der Regenzeit oft von Lachen überschwemmt ist und auch als Viehweide dient. Dadurch wird den Wambugwe das Leben ziemlich sauer gemacht. Wenn sie Trinkwasser oft eine Stunde weit holen müssen, so werden Feldfrüchte mehrere, Brennholz oft sogar viele Stunden weit hergeholt. Die Aecker liegen südlich und östlich vom Tembegebiet und sind gut gehalten. Angebaut wird fast nur Sorghum weisser und rother Varietät, letzterer ausschliesslich zur Bier-(Pombe)-Bereitung, sowie Tabak. Trotz des anscheinend wenig fruchtbaren Bodens ist das Erträgniss doch ein ungemein reiches, wie man an den kolossalen Getreidevorräthen sehen kann, welche die Wambugwe in meterhohen und ebenso breiten, cylindrischen Strohkörben in ihren Hütten aufspeichern.

Tembe der Warangi.

Die Hauptnahrung ist der Sorghumbrei. Um diesen herzustellen, wird der Sorghum am Dach des Tembe aufgebreitet, hierauf meist unenthülst zwischen Mahlsteinen zerrieben. Nicht selten mischt man dem Mehl Salz vom Balangda-See (Mangati) bei, manchmal sogar das scharfe, für Nicht-Wambugwe gänzlich ungeniessbare Salz des Manyara. Das Fleisch aller Thiere wird genossen, nur Fisch, Nashorn und Elephant gelten als unrein und werden nur während einer Hungersnoth verzehrt. Betreffs des Zusammenessens von Männern und Weibern bestehen keine bestimmten Vorschriften. Hirsebier (Pombe) wird in sehr grossen Mengen hergestellt, in mächtigen Töpfen gähren gelassen und dann getrunken. Tabak wird besonders von Männern geraucht, geschnupft und gekaut, in letzterem Falle wird ihm das scharfe Salz des Manyara beigemengt.

TAFEL XX

Meisenbach, Riffarth & Co. Berlin heliogr.

HIRT AUS UFIOMI