Die Geräthe der Wambugwe zeichnen sich vielfach durch Zierlichkeit aus. Dem Ackerbau dient eine breitklingige Hacke, die, wie alle Eisengeräthe, aus Irangi-Eisen gefertigt, ja oft direkt von dort importirt wird, da die Warangi-Schmiede mit Recht als geschickt gelten. Ausser den grossen, früher erwähnten Vorrathskörben, dienen als Gefässe kleine Körbe und Kalebassen, die vielfach aus Irangi importirt und mit hübschen schwarzen Ornamenten versehen sind. Die netten Töpfe und Krüge werden von eigenen Handwerkern gefertigt und gehören nicht der Hausindustrie an. Erwähnung verdient das Gerben der Rindshäute, zu welchem Behufe die Haut getrocknet, mit einem besonderen Beil abgekratzt und mit Fett und Kuhmist eingerieben wird. Sie wird dann einen Tag ausgebreitet, mit menschlichem Urin begossen, dann geknetet und zwei Tage in Urin gelagert. Hierauf wird sie nochmals ausgebreitet, getrocknet und abgerieben. Durch dieses Verfahren bekommt die Haut eine erstaunliche, sammetartige Weiche. Wünscht man das Leder zu färben, so wird die betreffende Pflanzenfarbe dem Urin beigemischt.
Hacke der Wambugwe.
Die Waffen der Wambugwe bestehen aus Speer, Schild, Bogen, Pfeil und Schleuder. Schwerter scheinen vollkommen unbekannt. Der Speer ist ein echter Wurfspeer mit ziemlich breiter Klinge, eingelassenem Schaftdorn, lederbenähtem Hals und mit Eisen umwundenem Schaftende. Jeder Krieger trägt zwei bis vier Speere in der Rechten. In der Linken führt er den spitzovalen Schild, welcher aus Büffelhaut gefertigt, mit kleinen vorgetriebenen Buckeln versehen ist und an der Hinterseite einen Längsstock besitzt, (Abb. Tafel 4). Bogen und Pfeile sind leicht und dienen nur alten Leuten und Kindern als Waffen und Jagdgeräth. Als solches für kleines Wild dient auch die interessante Steinschleuder, ein Geräth, das man sehr selten in Mittelafrika findet. (Abb. pag. 186.) Dieselbe wird auch zum Verjagen der Vögel aus den Feldern gebraucht. Im Gebrauch der Waffen, besonders im Werfen der Speere besitzen die Wambugwe bedeutende Geschicklichkeit.
Kalebassen-Ornamente der Wambugwe.
Die Speere der Warangi sind zierlicher, doch weniger kräftig, ihre Schilde meist kreisrund mit Mittelbuckel.
Von einem Handel konnte in Umbugwe kaum die Rede sein, bevor das Erscheinen meiner Expedition eine neue Aera für das Land eröffnete. Küstenkarawanen wagten sich, wie gesagt, nicht ins Land, und selbst Wasukuma kamen nur selten dahin. Der Verkehr mit der Aussenwelt beschränkte sich auf das Eintauschen von Irangi-Eisen und Mangati-Salz gegen Vieh; selten unternahmen die Wambugwe einen Zug nach Meatu, um Irangi-Hacken gegen Häute zu vertauschen. Das wenige, was sie an Glasperlen und Zeug benöthigten, erhielten sie durch die Warangi, die stets ungehindert im Lande verkehrten, seltener durch Wagogo der nördlichen Distrikte, die manchmal bis Umbugwe vordringen.
Gegenwärtig freilich durchziehen häufig Europäer- und Swahíli-Karawanen das Land und eine vollständige Umwandlung aller Lebensverhältnisse ist im Gange.
Ueber das merkwürdige innere Leben dieses Stammes konnte ich verhältnissmässig viel erfahren, da ich während meines zweiten Aufenthaltes mit den Eingeborenen sehr freundschaftlich verkehrte und vorzügliche Dolmetscher besass.