Iraku-Leute.

[[←]] IX. KAPITEL.
Die Völker der Nilquell-Gebiete.

Die Waschaschi. — Die Watussi. — Die Wasinja. — Die Warundi. — Die Wanyamwesi.

Im Gegensatz zum abflusslosen Gebiet, in welchem der Steppen-Charakter vielfach vorherrscht, bieten die Länder der Nilquellen menschlicher Ansiedelung ziemlich günstige Bedingungen. Dieselben sind auch für afrikanische Verhältnisse dicht bewohnt, und nirgends trifft man dort so ausgedehnte menschenleere Striche wie im Massai-Land. Die Völker, welche hier in Betracht kommen, gehören sprachlich sämmtlich der Bantu-Gruppe an. Anthropologisch freilich wird man auch hier eine Gliederung in Hamiten und Neger aufstellen müssen, welch' erstere durch den Hirtenstamm der Watussi oder Wahuma vertreten sind.

Mann aus Ussui.

Aus dem abflusslosen Gebiet nach den ersten Nilzuflüssen kommend, treffen wir den Stamm der Waschaschi. Derselbe dürfte ursprünglich den Wasinja verwandt gewesen sein, wenigstens ist die Sprache, das Kischaschi, vom Kisinja nur dialektisch verschieden. Gegenwärtig weichen die Waschaschi ethnographisch stark von den Wasinja ab. Besonders in den östlichen und nördlichen Grenzgebieten haben die Waschaschi starke Beimischungen von hamitischem (Massai und Wataturu) und nilotischem (Kavirondo) Blut erlitten und sich dadurch abweichend entwickelt. Im Süden dagegen brachte der fortwährende Verkehr mit den Wanyamwesi (Wasukuma) eine Annäherung an diese hervor.

Wir verstehen hier unter Waschaschi jene östlichen Nyansavölker, die ethnographisch ein einheitliches Ganzes bilden, in einzelnen Zügen allerdings von einander abweichen und sich in verschiedene Stämme gliedern.

Im Norden hausen die Wangoroïne, die stark mit Wakuavi- und Kavirondo-Blut vermischt sind. An diese schliessen sich südlich die Waschaschi im engeren Sinne, die das Hinterland des Nyansa bewohnen und nur in Katoto dessen Küste erreichen. Ihnen sehr nahe stehend, doch stark mit Massai-Blut gemischt, sind die Bewohner von Ikoma oder Elmarau. Die Waruri und Wakwaya am Nyansa sind auch nichts Anderes als Waschaschi, wie aus Sprache und Lebensweise deutlich hervorgeht. Die Waruri sind stark mit Wagaya (Kavirondo) gemischt, welche bereits der nilotischen Gruppe angehören, die Wakwaya aber ziemlich rein. Ihr Zweigstamm, die Wakara der Insel Ukara, haben sich zwar im Aeusseren und Wesen sehr ursprünglich erhalten, sind aber jedenfalls durch Zwischenheirathen mit Wakerewe (Wasinja) gemischt.

Wo Waschaschi noch ihren eigentlichen Charakter bewahrt haben, zeigen sie überraschende Analogien mit den Wanyaturu des Distrikts Turu, sodass man unwillkürlich auf den Gedanken kommt, dass beide Völker — etwa mit den Wanyairamba — einer Quelle entsprungen sind.