Von einem einheitlichen körperlichen Typus kann bei den Waschaschi, die so vielen Blutmischungen ausgesetzt waren, kaum die Rede sein. Im Norden und Osten sieht man viele Anklänge an den hamitischen Typus, im Süden ist die untersetzte, negerhafte Körperform der Wanyamwesi vorherrschend. In Ikiju und bis Uaschi hin, sowie in Majita und Ururi, leben hochgewachsene, sehr kräftige und schlanke Waschaschi mit dunkelbrauner Hautfarbe, nicht allzu scharfem Negertypus und freundlichem Gesichtsausdruck. Alle Waschaschi sind beschnitten und stehen damit im Gegensatz zu den Wasinja und Wanyamwesi. In vielen Gegenden werden die vordersten oberen Schneidezähne dreieckförmig ausgesplittert, bei den Waruri die ganzen Schneidezähne des Oberkiefers spitz gemacht, eine Sitte, die jedoch den Wagaya entlehnt ist. Das Ohrläppchen wird überall durchbohrt und lang ausgedehnt, in der Oeffnung werden ovale Holzscheiben getragen. Daneben findet auch der Massai-Ohrschmuck und die Messingspirale der Wasukuma Eingang.

Das Haar wird meist kurz getragen und rund um den Kopf abrasirt, oft auch über der Stirn dreieckförmig ausrasirt. Die Wakwaya rasiren das ganze Vorderhaupt ab und flechten das Haar am Hinterkopf in Zöpfchen. In Ikoma und den Nachbargebieten bis Ururi hin, wird das Haar vielfach in Zöpfchen gedreht und mit rothem Lehm und Fett angemacht, der Haarrand jedoch stets rund ausrasirt.

Die ursprüngliche Kleidung sämmtlicher Waschaschi-Männer besteht aus einer Anzahl um den Leib gewundener Bastschnüre, gleicht also völlig jener der Wanyaturu. Bei Knaben ist diese Tracht fast überall noch üblich. Junge Männer tragen in Ikoma, Ngoroïne und bis Ururi hin den Massai-Ueberwurf, der niemals die Schamtheile bedeckt. In Ikiju, Katoto und Ukwaya wird ein kleineres Fellschürzchen getragen. Die Wakara ziehen die Schnur zwischen den Beinen durch und lassen vorn ein Leder- oder Zeugschürzchen herabhängen. Aeltere Männer tragen überall längere Felle, die oft schön gegerbt sind. Die Weiber kleiden sich mit einem oft vielgefalteten Lendenschurz aus Leder, der bei festlichen Gelegenheiten mit Schnüren und Klapperfrüchten besetzt ist. Beide Geschlechter pflegen sich roth zu bemalen. Als Kopfschmuck dient den Kriegern in Ngoroïne eine Bastschnur, von welcher Fransen aus weissem oder rothem Bast, Federn oder Käferflügel herabhängen. Um den Hals tragen beide Geschlechter Glas- oder Eisenperlen, sowie den weitverbreiteten eigenartigen Schmuck, der aus Strausseneischeibchen gebildet wird. Am Oberarm sitzt ein Bastring, am Unterarm breite Elfenbeinringe, die oft ganze Manschetten bilden. Unter dem Knie pflegen Weiber ebenfalls einen Bastring zu tragen. Letztere schmücken sich in vielen Gegenden auch mit Armringen aus Eisen. Beim Tanz pflegen die jungen Krieger grosse Schellen an den Beinen zu tragen. An einer Schnur hängend wird oft ein eiserner Kratzer am Rücken getragen. Ein merkwürdiger Schmuck ist ein mit einem Messer versehener Fingerring.

Der Charakter aller Schaschi-Stämme ist ein friedlich gutmüthiger und für Schwarze äusserst liebenswürdiger. Sie sind nichts weniger als kriegerisch und ihren Erbfeinden, den Massai, in keiner Weise gewachsen. Eine Ausnahme bilden die Wakara, die von erstaunlicher Wildheit und Abneigung gegen alles Fremde sind und darin völlig den Wanyaturu gleichen.

Rückenkratzer der Waschaschi.

Fingerring der Waschaschi.

Das Leben der Waschaschi dreht sich um den Ackerbau, dem sie mit grossem Eifer und Geschick nachgehen. In Ikoma und Ngoroïne liefert die Eleusine (Kisw. wimbi) die Hauptnahrung, in Uhemba, Uaschi, Ikiju und den Nachbarländern jedoch die Grundnuss, Arachis hypogaea. Soviel mir bekannt, giebt es keine andere Gegend, wo dieses weitverbreitete Gewächs als Hauptnahrung dient. In den Gegenden, wo, wie in Uhemba, fast nichts als Arachis zu haben ist, litten meine Leute vielfach an Magenbeschwerden, die Waschaschi fühlten sich jedoch ganz wohl dabei. Sonst baut man noch Sorghum der rothen Varietät, Mais, Penicillaria, Sesam, Kürbisse, Gurken, Maniok, süsse Kartoffeln, Tabak (besonders in Ukwaya), im Süden auch Hanf. Die Banane ist allen Waschaschi unbekannt, selbst die Wakara pflanzen nur Sorghum und Arachis, obwohl im benachbarten Ukerewe Bananen die Hauptnahrung bilden. Dagegen betreiben sie eine sehr eigenthümliche Kultur, welche durch ihre insulare Lage veranlasst wird. Sie bauen nämlich eine Art Laubbäume als Futterpflanzen für das Vieh; dieselben stehen in förmlichen Alleen. Das Laub wird abgeerntet und in kegelförmigen Schobern getrocknet (Abb. pag. 50). Dadurch sind sie in der Lage, grosse Rinderheerden von kleinem Zebuvieh zu halten, obwohl ihre Insel keine Weideplätze bietet. Im Uebrigen ist von Rindvieh bei den Waschaschi nicht viel zu sehen; ausser bei den Wakara und den Bewohnern der Inseln des Baumann-Golfes trifft man kaum irgendwo welches an, da es den Massai und früher wohl auch den Wataturu zur Beute gefallen ist. Dagegen findet man Ziegen und Schafe und sehr viele Hühner, aber keine Esel und sehr wenig Hunde.