Am andern Tag, während der Arbeit, hielt er manchmal inne und schaute starr ins Leere. Des öfteren sah man ihn jetzt am Abend in die Pfremdinger-Hütte gehen. "Was er nur immer beim 'Letzten Mensch' anfängt, das Hornvieh!? Möcht wohl gar Häusler werden?" spöttelten die Knechte, und Söllinger schaute dem fast furchtsam Davonschleichenden mit finsterem Blick nach.—
Die Sterbeglocken klangen dünn durch die Luft. Mit dem alten
Pfremdinger ging es zu Ende. Die Pfanningerin, der Pfarrer—und
Michael Jürgert standen in der niederen Kammer um das Bett. Dann kam
noch die Jürgertin.
Ganz zuletzt erst wälzte sich der Häusler nochmal herum. Schon drehten sich seine Augen.
"Er soll's haben, Hochwürden! Aber die Hälft' gehört der Kirch'!" hauchte er schon röchelnd mit letzter Kraft heraus.
"In Ewigkeit, Amen," murmelte sich bekreuzigend die alte Pfanningerin. und der Pfarrer sah Michael an, nickte ihm zu.
"Hab's denkt, daß er's kriegt, wenn er fleißig in die Kirch' rennt und um den Pfarrer herumscharwenzelt recht bigott! Sowas tragt immer was ein!" war ungefähr die übliche Bauern-Nachrede, als es verlautbarte, daß Michael das Pfremdinger-Anwesen vom "Herrn Hochwürden zudiktiert" bekommen habe.
Acht Tage nach dem Begräbnis fuhr Michael auf einem Schubkarren die spärliche Habschaft seiner Mutter ins Pfremdingerhaus und am darauffolgenden Tag die Sachen der alten Pfanningerin ins Gemeindehaus. Hinter manchem Fenster stand ein spöttischspitzes Gesicht und sagte ungefähr: "Der hat's leicht. Kann sein Zeug auf dem Schubkarren fahren."
Gut ein Vierteljahr war Stille.
Wenn die Mäher beim Morgendämmern auf die Felder gingen, sang immer schon die Sense Michaels unter dem flinken Schleifstein.—
Dann kam das Unglück.