STUTTGARTER SETZMASCHINEN-DRUCKEREI
HOLZINGER & Co. STUTTGART


Verzeichnis der Abbildungen

Abbildung 01[Kugelmühle]
Abbildung 02[Rohrmühle]
Abbildung 03[Mechanischer Röstofen]
Abbildung 04[Zyanidbottich]
Abbildung 05[Spezialbottich zur Goldgewinnung]
Abbildung 06[Fällkästen im Fällungsgebäude]
Abbildung 07[Goldschmelzofen]
Abbildung 08[Amerikanische Zyanidanlage]
Abbildung 09[Hochofenanlage mit Hafen in Rheinhausen bei Duisburg]
Abbildung 10[Blick in eines der Gasgebläsehäuser der Gußstahlfabrik Fried. Krupp A.-G., Essen]
Abbildung 11[Geschnittene Bessemerbirne]
Abbildung 12[Bessemerbirne gekippt zum Entleeren des erzeugen Schmiedeeisens]
Abbildung 13[Bessemerwerk]
Abbildung 14[Martinwerk I]
Abbildung 15[Blick in die Nürnberger Gasanstalt]
Abbildung 16[Entstehung von Wassergas, Generatorengas und Generatorenwassergas]
Abbildung 17[Gasgenerator]
[Die Verwendung der Schwefelsäure in der chemischen Industrie]
[Gewinnung der Teerfarbstoffe]
Abbildung 18[Gesamtansicht der Farbwerke vormals Meister, Lucius u. Brüning, Höchst a. M.]
Abbildung 19[Apparat zur Herstellung von Dynamit]
Abbildung 20[Verpackungssaal der Firma Farbenfabriken vormals Friedrich Bayer & Co. A.-G., Elberfeld]
Abbildung 21[Destillierblase]
Abbildung 22[Aus der Fabrik ätherischer Öle Schimmel & Comp., Miltitz-Leipzig]
Abbildung 23[Aus der Fabrik ätherischer Öle Schimmel & Comp., Miltitz-Leipzig]
Abbildung 24[Geranien ohne und mit Düngung]
Abbildung 25[Düngung von Getreide]
Abbildung 26[Sodafabrikation nach Leblanc]
[Die Verwendung der Salpetersäure und der Salpeterschwefelsäure]

Wenn irgendeine Wissenschaft uns zu souveränen Herren der Natur gemacht und uns aus Naturbeherrschten in Beherrscher der Natur umgewandelt hat, so ist dies das spätgeborene Kulturkind der Menschheit, die Wissenschaft der Chemie. Sie gleicht einem Kinde, das Jahrtausende dazu gebraucht hat, das Sprechen zu erlernen, aber dann mit einemmal imstande war, die während der Jahrtausende angehäuften Eindrücke, die es von der Welt empfangen, in prachtvoller, sinnreicher, künstlerischer Sprache wiederzugeben. Sie gleicht einer Pflanze, die durch Jahrtausende kräftig-fleischige Blätter angesetzt hat, um plötzlich, über Nacht, die schönsten Blüten hervorzubringen. Sie gleicht einem spät erkannten, lange verachteten Stein, der, endlich gewürdigt und erkannt, durch diese Erkenntnis wie mit einem Zauberstabe berührt, sich in jeden gewünschten, wunderbar-merkwürdigen Stoff verwandelt; oder dem mystischen Schlüssel Mephistos, der den grauen formlosen Nebel in Götter umformt.

Wie geheimnisvoll und märchenhaft klingt schon der Name „Chemie“! Und in der Tat, sie ist märchenhaft: ein Dornröschen, durch das reine Streben geistvoller Männer aus dem Schlafe erweckt; ein Midas, der alles, was er anfaßt, in Gold verwandelt; ein Heiliger, der Wasser aus dem Felsen schlägt; ein vom edelsten Willen beseelter Erlöser, der alle Hungrigen speisen möchte; ein Herakles, der den Augiasstall reinigt; ein licht- und wärmebringender Prometheus; ein bergezertrümmernder Titan; ein heilender Äskulap; eine kunstfertige, schmuckliebende Athene – das alles ist die Chemie.

Ein Midas, der, was er berührt, in Gold oder Goldeswert verwandelt, der aus schmutzigem Erz und Sand Gold und Eisen herstellt, anspruchslose Erden zu sonnenhaftem Lichte erglühen läßt, durch Zusammenschmelzen weicher Stoffe diamantharte Substanzen darstellt, durch Vermengung schwacher Materien Sprengstoffe von ungeheurer Gewalt erzeugt, der aus traurig-schwarzer Kohle prächtige Farben in heiterer Buntheit erstehen läßt, und so reichlich erschafft, was die Natur kärglich hervorbringt.

Midas ist das Sinnbild des nach Besitz gierigen und nach dem Besitz der Besitze, nach Gold, hungrigen Menschen. Solange das Menschengeschlecht lebt, lebt Midas.

Das Gold hat schon frühzeitig durch seinen Glanz, seine auffallende Farbe und seine Unveränderlichkeit die Aufmerksamkeit des vorhistorischen Menschen auf sich gezogen, seine Habsucht erweckt und die Lust gereizt, sich damit zu schmücken, zumal da es sehr leicht bearbeitet werden kann. Goldene Hefteln, goldener Halsschmuck waren damals das Vorrecht der Mächtigen und Reichen. – Ursprünglich beachtete man wohl nur die größeren in der Natur gediegen vorkommenden Goldklumpen und -klümpchen, doch schärfte sich allmählich der golddurstige Blick, so daß der Mensch auch Goldkörner zu sammeln begann, wie man sie in dem Flußsande mancher Gewässer findet. Hierauf lernte man von den Flüssen das Waschen von Gold, das Schlämmen und den daraus entstandenen einfachen Pfannenprozeß, indem man fließendes Wasser durch goldhaltigen Sand leitete, so daß der leichtere Sand mit dem Wasser fortgeführt, das schwere Gold aber zurückgelassen wurde. Schließlich erfand man das „Pochwerk“, in dem goldreiches Gestein zu Sand zerpocht und zerhämmert wurde, woraus dann durch Schlämmen das Gold ausgewaschen werden konnte. Darüber kam man durch Jahrtausende nicht hinaus. Und Handel und Industrie waren durch den Mangel an Gold, das inzwischen zum Wertmesser erhöht worden war, in ihrer Entwicklung stark gehemmt.