GOTT VATER. Sie werden nicht schaudern!—Sie verlachen mich ja!—Sie wissen, daß ich nur reden kann. Sie wissen, daß sie da unten unter sich sind; freien, lieben und hassen können, und mich nicht mehr brauchen.—(Auffahrend). Aber Du (zum Boten) rufe mir meine Tochter, die allerseligste Jungfrau,—und auch meinen Sohn magst Du rufen,—und die Cherubim und Würgengel mögen sich für meinen göttlichen Befehl bereit halten;—und auch dem Teufel laß ich vermelden, er möge sich zu mir bemühen: wir wollen ein Konzil halten, und beraten, was in dieser gräßlichen Sache zu tun ist.
BOTE und alle ÜBRIGEN ENGEL bis auf den CHERUBIM unter großem Geräusch ab.—Der CHERUBIM bemüht sich um den erschöpften Alten, bettet ihn aufs neue auf den Thron, rückt Fußschemel und Wärmeflasche zurecht, knüpft ihm das Foulard, wischt ihm Gesicht und Bart ab, und schmiegt sich zuletzt zu seinen Füßen, während der Alte dessen Hand ergreift und in der seinen ruhen läßt.—STUMME SZENE.
Fünfte Szene
DIE VORIGEN. MARIA, von einer Schar jugendlich amorettenhaft gekleideter Engel, die ihr vorauseilen und ihr Blumen streuen, sowie von erwachsenen Engels-Knaben, die Lilienstengel tragen, gefolgt und begleitet, kommt in hochmütig-stolzer Haltung, eine kleine Krone auf dem Haupte, in einem blauen, sternbesäten Kleid, welches vorne das weiß-seidene Untergewand erblicken läßt, durch die Haupt-Thüre herein, macht in Front von Gott Vater, von dessen Thrones-Stufen sich der Cherubim inzwischen zurückgezogen, eine steife, hofmäßige Verbeugung und begibt sich dann auf einen zweiten, in der Zwischenzeit von dienstbaren Engeln, etwas entfernt von Gott Vater, ebenfalls an der Wand zurechtgerichteten Thron, der, mit hoher Rücklehne, im Stile sich der Zeit der Minnesänger anpaßt. Sie verweilt dort während des Folgenden, von ihrem Engels-Chor umgeben, ausschließlich mit Herrichtung ihrer Toilette, Benutzung eines kleinen Spiegels sowie Selbst-Besprengung mit wohlriechenden Wässern, beschäftigt.—Ein weiches Geflüster schalkhafter, augenschmeißender Amoretten macht sich um ihn vernehmbar.—Währenddem unterhalten sich auf der entgegengesetzten Seite, links im Vordergrund, die drei aus der ersten Szene bekannten ENGEL.
ERSTER ENGEL. DER MANN kommt.
ZWEITER ENGEL (in die Hände patschend). Der Mann, der Mann kommt.
DRITTER ENGEL (aufhorchend ernsthaft). Der Mann? Wer ist der Mann?—
ZWEITER ENGEL. Ach, der Mann—Du kleines Äffchen—das ist der Mann!
ERSTER ENGEL (belehrend). Das ist der schönste, der zarteste, der zuckrigste Mann; der einzige Mann im Himmel; das ist der Mann.