Die Dreifüße werden in die Mitte des Saales gestellt, mit einer braunen Droge, gemischt mit Sandelholz, beschickt, und dann angezündet; die Thüren werden geschlossen; die dienstbaren Engel entfernen sich, als letzter der Cherubim. Man sieht die drei Gottheiten, während sich die Dampfwolken verbreiten, langsam zurücksinken und die Augen schließen. Während dem fällt der Vorhang.


Zweiter Aufzug [1]


Erste Szene

Ein Prunksaal im päpstlichen Palast in Rom, den im Hintergrunde Arkaden mit darüber befindlicher Galerie im Rundbogenstil abschließen; der Saal ist rückwärts als an die Privatkapelle des Papstes stoßend gedacht, mit der eine Kommunikation von der hohen Galerie aus durch Öffnen der daselbst befindlichen Fenster möglich ist, derart, daß die Galerie mit dem Sänger-Chor der Kapelle etwa in gleicher Höhe liegend ist.—Die ganze linke Seite (von der Bühne aus) nehmen der Papst mit seiner Familie, der päpstliche Hofstaat und die tafelnden Gäste ein, wo reich-besetzte Tische mit kostbarem Service und hellen, auffallend hohen, dreiarmigen Kandelabern zu sehen sind. Die ganze Mitte und rechte Seite, mit Ausnahme einiger zu äußerst rechts sich bildender unterhaltender Gruppen, bleibt frei für die späteren Evolutionen und Maskeraden.—Es ist gegen Abend und der erste Ostertag 1495; die Speisen werden eben abgetragen. Der Papst ist in dem bequemen, wenig auffälligen Kostüm eines Hausprälaten (violett mit Sammet) gekleidet und trägt ein rundes Sammetkäppchen; alle übrigen in reichen Kostümen.—Glänzende Dienerschaft; fortwährendes Hin- und Hergehen; rege Unterhaltung; wiederholtes Gelächter; im Hintergrund unter den Arkaden eine Musik; die Galerie mit Zuschauern, Leuten aus dem Volk besetzt; die Gruppen im Saal bilden sich, tauschen Neuigkeiten aus, und zerstreuen sich wieder.—Außer dem Papst (RODRIGO BORGIA, Alexander VI.), einem Sechziger, seine neun Kinder GIROLAMA, ISABELLA, PIER LUIGI, DON GIOVANNI (Graf von Celano), CESARE, DON GIOFFRE, LUCREZIA, fünfzehnjährig, blond, heiter und kindlich, LAURA und DON GIOVANNI BORGIA, ein Knabe; seine Schwiegertöchter und Schwiegersöhne, darunter DONNA SANCIA, Gemahlin Don Gioffres; seine Neffen und Verwandten, darunter COLLERANDO BORGIA, Almosenier, Bischof von Coria und Monreale, FRANCESCO BORGIA, Erzbischof von Cosenza, Schatzmeister des Papstes, LUIGI PIETRO BORGIA, Kardinal-Diakon von Santa Maria, RODRIGO BORGIA, Kapitän der päpstlichen Garde; seine Vertrauten, darunter GIOVANNI LOPEZ, Bischof von Perugia, PIETRO CARANZA, Geheimkämmerer, GIOVANNI VERA DA ERCILLA und REMOLINA DA ILERDA, Mitglieder des heiligen Kollegiums, JUAN MARADES, Bischof von Toul, Geheimer Intendant; des Papstes zwei Mätressen, die frühere, VANOZZA, 53 jährig; die jetzige, JULIA FARNESE, 21 jährig; diese mit ihrem Gemahl ORSINI und ihrem Bruder, dem Kardinal ALESSANDRO FARNESE; seine Vertraute ADRIANA MILA, Erzieherin seiner Kinder; BURCARD, Zeremonienmeister des Papstes; Erzbischöfe, Bischöfe, Kardinäle, päpstliche Würdenträger, römische Damen, Soldaten und Dienerschaft, Leute aus dem Volke, später Courtisanen und Schauspieler.

DON GIOFFRE. Hat dieser Spanier heute nicht wieder langweilig gepredigt?

DER PAPST. Schrecklich, es war nicht zum Anhören.

DONNA SANCIA (zu Lucrezia). Ich habe Dir immer Zeichen hinübergemacht, aber Du hast mich nicht verstanden.

LUCREZIA (schläfrig). Ach, Pietro hat mich doch immer mit dem Fuß gestoßen.