Veni sancte Spiritus
Et emitte coelitus
Lucis tuae radium.
Veni pater pauperum
Veni dator munerum
Veni lumen cordium.
Sine tuo nomine Nihil
est in homine,
Nihil est innoxium.
Lava quod est sordidum,
Riga quod est aridum,
Sana quod est saucium.
O lux beatissima
Reple cordis intima
Tuorum fidelium.
Eine peinliche Stille ist nach den ersten Akkorden eingetreten. Das Volk auf der Galerie ist wieder entsetzt zurückgewichen, um den Platz vor den Fenstern freizumachen. Ein Teil der Anwesenden verläßt den Saal.—Indessen ist schon der sechste Kämpfer mit seinem Partner eingetreten. Der Papst gibt durch einen Wink den Befehl zur Fortsetzung des Spiels, an dem seine Familie und Vertrauten mit ärgerlichen Mienen über die eingetretene Störung teilnehmen, und das bis zum siebenten Kämpfer unter der Begleitung des Kirchengesangs seinen Fortgang nimmt.—Nach Schluß des letzteren wird die Stimmung wieder etwas wärmer und das Interesse reger. Der Kreis um die Kämpfenden schließt sich wieder. In der Kirche sieht man die Kronleuchter verlöschen und die Fenster von innen sich zumachen.—Das Spiel geht weiter.
Beim neunten Kämpfer stürzt ein Bote in den Saal und flüstert in erregter Weise mit den im Hintergrund Stehenden. Die Bewegung setzt sich nach vorne fort. Man hört Rufe: Was ist los?—Was gibt's?—
RODRIGO BORGIA (Kapitän der päpstlichen Garde). Der französische König, Eure Heiligkeit, ist, von Neapel zurückkehrend, im Anmarsch auf Rom und nur noch wenige Meilen entfernt.
DER PAPST (aufstürzend, erregt). Zum Teufel!—Auf nach Orvieto!—Die Spanier und Katalanen sollen Uns begleiten!—Nehmt Unsere Kassen und Kostbarkeiten mit!—Die Damen sollen sich rüsten; auf Gepäck und Maultiere verzichten; wir reisen alle zu Pferd! Pallavicini bleibt als Gouverneur der Stadt mit einem Teil der Truppen zurück. Er empfange den König mit allen Ehren, aber drohe ihm in Unserem Namen, als einem ungehorsamen Sohn der Kirche, den Bannfluch an, wenn er länger als vierundzwanzig Stunden auf Unserem Gebiet verweilt.—Cesare übernimmt die Bedeckung Unseres Zuges.—Vergeßt die goldenen Meßgeräte nicht! Fort! Alles in großer Erregung ab.
DIE MÄDCHEN (ihre Gewänder anlegend, jauchzend). Carlo kommt!—Carlo kommt!—
(Der Vorhang fällt.)
[1] Burcardi, Zeremonienmeister Alexanders VI., "Diarium", nouvelle edition par Thuasne, 3 vols., Paris 1885.
[2] Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu Dir; Herr, höre meine Stimme; laß Deine Ohren merken auf die Stimme meines Flehens; So Du willst, Herr, Sünde zurechnen, Herr, wer wird bestehen? Meine Seele wartet auf den Herrn von einer Morgenwache zur andern; Denn bei dem Herrn ist die Gnade, und viel Erlösung bei ihm; Er wird uns erlösen von allen unseren Sünden.