Nur eine Merkwürdigkeit, eine »Spezialität« von Lima kann ich nicht unerwähnt lassen. In einem fashionablen Laden wurde sie uns als »Reiseandenken« angeboten, jedenfalls war es das sonderbarste Souvenir, dem ich je begegnet bin, denn es war nichts anderes, als – der Kopf, nicht Jochannaans, sondern eines indianischen Mädchens. Keine Nachahmung, kein Papier-maché, kein bluff, sondern echt. Der Kopf eines einst lebendig gewesenen Menschen, oder der Kopf einer Leiche, wie man will. Kein nackter Totenschädel, sondern ein virtuos balsamiertes menschliches Gesicht, mit Glasaugen und langem Haarschopf. Nur die Haut ein wenig verschrumpft. Mir schauderte, als ich mir dieses anmutige Reiseandenken auf meinem Schreibtisch als Briefbeschwerer, oder unter einer Glasglocke in der guten Stube vorstellte.
Die Europäer in Lima treiben mit diesen Scheußlichkeiten einen schwunghaften Handel. Der Absatz ist enorm. Die Indianer, die sehr rasch begriffen, daß ihre Leichenköpfe als Handelsartikel gut bezahlt wurden, fingen an, Freund und Feind hinzumorden, balsamierten ihre Köpfe ein und brachten sie in großen Mengen auf den Markt. Da erst legte sich die Regierung ins Mittel. Jetzt dürfen nur »alte« Köpfe verkauft werden, während »frische« verpönt sind. Aber wer wagt es zu entscheiden, ob solch eine Mumie von gestern oder von anno dazumal stammt? Jedenfalls ist der Artikel rar geworden und infolgedessen im Preise gestiegen. Der Kopf, der uns angeboten wurde, sollte 50 englische Pfund kosten. Ich hätte ebensoviel zugezahlt, um ihn nicht zu besitzen.
Mit diesem unappetitlichen Eindruck schieden wir von Lima. Der peruanische Küstendampfer »Guatemala« nahm uns auf. In acht Tagen soll er uns nach Panama bringen.
Tafel 15
INDIANER IM FESTSTAAT (BOLIVIEN)
17. BRIEF.
PANAMA UND EINE ALLIGATOR-JAGD.
Durch drei Dinge ist Panama berühmt. Erstens durch den Panama-Kanal, zweitens durch den Panama-Skandal, drittens durch die Panama-Hüte. Der Panama-Skandal ist nicht mehr aktuell. Der Panama-Kanal wird es bald sein, wenn er nämlich wirklich, wie es heißt, im nächsten Jahre eröffnet wird. Die Panama-Hüte sind es immer und werden es so lange sein, als es für vornehm gilt, was Besseres auf dem Kopfe, als drin zu haben.
Über den Panama-Skandal werde ich mich nicht verbreiten. Wer sich daran erquicken will, lese in den betreffenden Jahrgängen der Pariser Zeitungen nach.