Jetzt hatte ich verstanden. Time is money. Und einen eigenen Willen darf man in dieser amerikanischsten aller Fragen in Amerika nicht haben. Also fuhren wir direkt vom Pier zu dem prächtigen Gebäude der Hamburg-Amerika-Linie am Broadway.

»Zwei Kabinen erster Klasse bis Hamburg.«

»Zu wann soll es sein?«

»In ungefähr zwei Wochen.«

»Bedaure. Alles besetzt.«

Doch man hat zuweilen Dusel. Auch wir hatten welchen. Hinter seinem Pult stürzte unvermutet ein übereifriger Clerk hervor.

»Heute morgen ist eine Staatskabine auf dem »Imperator« abgesagt worden. Er geht in drei Wochen. Es ist seine erste Reise.«

Natürlich nahmen wir die Kabine unbesehen. Zumal sich herausstellte, daß sie erheblich billiger war, als die mit entsprechendem Komfort ausgestatteten Luxuskabinen andrer Dampfer. Das kommt daher, weil auf dem »Imperator« 150 Staatskabinen mit eigenem Bad sind, auf den anderen Dampfern aber höchstens 5-10.

Wir waren dem Kommissionär dankbar dafür, daß er uns zur Eile angetrieben hatte. Denn erstens interessierte uns der »Imperator« genau ebenso, wie alle übrigen Bewohner der alten und der neuen Welt, ist er doch »das größte Schiff der Welt«, »der Stolz der deutschen Handelsflotte«, »das größte Wunder der Schiffsbautechnik« und weiß der Himmel, was sonst noch alles. Zweitens aber war der Fall besonders vielverheißend, denn es galt die erste Überfahrt des Kolosses von Amerika nach Europa mitzumachen, jene erste Reise, für die ein erfinderischer deutscher Journalist den entsetzlich geschmacklosen Namen »Jungfernfahrt« geprägt hat, von der man doch mit Fug und Recht ein außergewöhnliches Vergnügen erwarten darf.

Die Ankunft des »Imperator« in New York war die Sensation des Tages und bildete für mindestens eine Woche den alleinigen Gesprächsstoff in allen Salons und in allen Bars. Das war etwas für den »Größen-Fetischismus« der Amerikaner, an dem sie ja alle mehr oder weniger leiden. Zu Hunderttausenden hatten sich Schaulustige in Hoboken versammelt, um die Majestät des Ozeans bei der Ankunft zu begrüßen.