Es ist eine undankbare Aufgabe, den »Imperator« zu beschreiben. Wem sagt es was, daß er 919 Fuß lang ist? Oder macht man sich einen klareren Begriff von seinen Dimensionen, wenn man erfährt, daß er, auf der Steuerschraube aufgestellt, erheblich höher wäre, als der Eifelturm und das 67 Stockwerk hohe »Wolworth-Building« in New York?

Wer hat überhaupt jemals in Gedanken ein Schiff auf der Steuerschraube aufgerichtet, oder ein Haus ins Meer gekippt?

Wenn man anderthalb Mal ums Schiff herumgeht, hat man einen Spaziergang von einem Kilometer gemacht. Vielleicht gibt das eine richtige Vorstellung von der Größe des Ozeanriesen?

Seine Maschine entwickelt 68 000 Pferdekräfte. Wer hat eine Vorstellung davon, was 68 000 Pferdekräfte leisten können?

Nein, mit Größenverhältnissen und Zahlen will ich mich nicht aufhalten. Die kann man außerdem in jedem Prospekt nachlesen.

Der Komfort, mit dem die Reisenden auf dem »Imperator« umgeben sind, grenzt ans Märchenhafte. Die Kabinen sind keine Kabinen, sondern mollig eingerichtete Wohnzimmer. Breite, bequeme Betten, Etablissements weicher Sessel und Divans, Schreibtisch, Kleiderschränke, Wäscheschränke bilden das Ameublement. Nebenan ein mit Kacheln ausgelegtes, geräumiges Badezimmer mit idealen Douche-Vorrichtungen. In den Waschtischen hat man Tag und Nacht fließendes heißes und kaltes Süßwasser. Ein Leben »aus dem Koffer« kennt man auf dem »Imperator« nicht. Zwei Stunden nachdem man den Dampfer betreten und dem Steward seine Schlüssel eingehändigt hat, findet man Kleider, Wäsche und sonstige Bedarfsartikel in den Spinden und Schränken der Kabine sauber aufgeräumt vor. Die Koffer sind im Gepäckraum verschwunden. Ein Bataillon Schneider an Bord sorgt dafür, daß die Garderobe immer in Ordnung ist. Die Herrenwelt feiert zum »dinner« eine wahre Orgie in Bügelfalten.

Wundervoll sind die Gesellschaftsräume des Dampfers: der enorme Tanzsaal mit 14 Fuß hohen Fenstern, die zierlich ausstaffierten Damensalons, das gemütliche, mit viel Geschmack eingerichtete Rauchzimmer, nicht zuletzt der enorme, durch zwei Etagen gebaute, von einer Galerie umgebene Speisesaal, in dem zweimal täglich für 650 Personen gedeckt wird. Das Table d'hôte-Prinzip ist abgeschafft. Es wird ausschließlich an kleinen Tischen à la carte gespeist. Die Verpflegung muß dem verwöhntesten Gaumen genügen. Ein Beispiel zum Beweis: als hors d'oeuvre wird von Zeit zu Zeit für alle 650 Personen Astrachan-Kaviar von ganz exquisiter Qualität serviert.

Für Gourmets und – Snobs existiert außerdem noch ein Ritz-Carlton-Restaurant an Bord, in dem man für Fabelpreise mit dem maître d'hôtel französisch sprechen und von Pariser Köchen zubereitete filets de sol essen kann. Ist man zu faul, seinen Frack zu Tisch anzuziehen, so kann man dasselbe Vergnügen, noch teurer, im Grill-room haben.

Hoch zu preisen ist der Palmengarten des Ritz-Carlton-Restaurants. Dort finden sich nach den Mahlzeiten auch die sparsamen Banausen aus dem allgemeinen Speisesaale ein, um bei einer Tasse Kaffee, einem »fine champagne frappé« und einer guten Import den Klängen eines rotbefrackten Pariser Streichorchesters zu lauschen.

Man schlenkere sich dabei möglichst ungeniert in die breiten Klubsessel, lorgnettiere dreist die unerhörte Toilettenpracht der amerikanischen Schönen und streue die Zigarrenasche auf den knöcheltiefen Smyrnateppich. Wenn man für ganz was Feines gehalten werden will, bemühe man sich überhaupt, die amerikanischen Millionär- oder Milliardär-Jünglinge nachzuahmen, für die die Begriffe »impertinent« und »vornehm« identisch sind.