Der Clou des »Imperator« ist und bleibt doch das Römische Schwimmbad. Ein mit feinstem Kunstsinn ausgestatteter Raum. Italienische Mosaiken schmücken die Wände. Achtzehn pompejanische Säulen tragen eine gewölbte Galerie für Zuschauer. Das Bassin – groß genug, um darin Wasser-Polo zu spielen – ist mit hellgrauem Marmor ausgelegt. Aus Marmor sind auch die Ruhebänke, die das Bassin umgeben. Mit Rauschen und Schäumen stürzt das Ozeanwasser, gleich einem Wasserfall, ins Bassin. Die Temperatur des Wassers wird künstlich auf 22-23 Grad Celsius gehoben. Dieses tägliche Schwimmbad ist ein unvergleichlicher Genuß. In der heißen Jahreszeit muß es geradezu ein Labsal sein.

Daß einem auf dem Promenadendeck behaglich zumute ist, dafür sorgt die »See-Komfort-Gesellschaft« mit Liegestühlen, Decken, Plaids und wundersam geformten Kissen, die sich den tiefsten und flachsten Körperbuchten gleich gut anpassen. Bei ungünstigem Wetter sieht man ganze Regimenter von Kopf bis zu Fuß festeingewickelter Mumien in Reih und Glied auf den endlosen Promenadendecks des Dampfers aufgereiht daliegen.

Kurz, wo immer man sich auf dem »Imperator« befindet, kann man sich in einem Winkel von Abrahams Schoße wähnen.

Und dennoch habe ich mich während der ganzen Amerika-Reise und während der 42 Tage, die ich auf See zugebracht habe, nicht so ungemütlich gefühlt wie auf dem »Imperator«.

In erster Linie war daran natürlich die Ideen-Assoziation schuld, die die Gedanken immer wieder zur »Titanic« hinleitete.

Aber ganz abgesehen davon: dieser unter allen Umständen eigentlich unerlaubte und zum größten Teil sinnlose Luxus kommt einem wie eine Herausforderung der Elemente vor. Man wartet nur darauf, daß sie aufbrausen und diesen ganzen nichtigen menschlichen Tand in Trümmer zerschellen lassen.

Betritt man den von tausend elektrischen Kerzen strahlend hell erleuchteten Speisesaal, in dem die Tische unter der Last der raffinierten Speisen und kostbaren Weine ächzen und ein Meer von Blumen betäubenden Wohlgeruch verbreitet, sieht man das Feuerwerk der blitzenden Juwelen, hört man das Scherzen, Lachen und Knallen der Champagnerpfropfen, so beschleicht einen doch ein ungemütliches Gefühl, wenn man daran denkt, daß nur eine dünne Wand diese ganze Pracht und Herrlichkeit von den grundlosen Tiefen des Ozeans trennt.

Denkt man aber nicht daran, so kann man vollständig vergessen, daß man sich auf einem Dampfer befindet. Von der Bewegung des Schiffes ist nicht das Allergeringste zu spüren. Man merkt nicht einmal, daß es vorwärts geht, von irgend einer Schaukelbewegung des Schiffes ganz zu schweigen. Auch wenn man auf dem Promenadendeck steht, merkt man, besonders abends, nichts vom »Schiff«. Die Gesellschaftsräume des »Imperator« liegen ungefähr elf Etagen über dem Meeresspiegel. Da es auf dem Atlantischen Ozean abends meistens neblig ist, so kann man vom Wasser nichts sehen, weder unter, noch vor, noch hinter sich.

Was nun das Leben an Bord anbetrifft, so spielt es sich im allergewöhnlichsten »vornehmen« Hotelstil ab. Infolgedessen läßt sich wenig mehr davon sagen, als daß es öde, steif, ungesellig, zum Sterben langweilig ist. Von irgend einer »Bordfreiheit« kann hier ebensowenig die Rede sein, wie etwa in der »hall« des Hotels Adlon.

Infolgedessen tat es einem keinen Augenblick leid, Abschied vom Imperator zu nehmen. Luxus kann man auf dem Festlande ebensogut und besser haben, und jenes spezifische etwas abenteuerliche »caché« des Bordlebens auf langen Seereisen war er uns schuldig geblieben. Dieser Umstand bewirkte, daß man am Schluß der Seereise anfing, sich immer mehr auf Europa zu freuen.