»Wenn wir uns ein wenig niedersetzten, ein ganz klein wenig,« bettelte Kitty einschmeichelnd.

»Ist es nicht zu kalt?« murmelte er. »Ich will Ihnen einen Umwurf holen.«

»Ach nein!« bat sie, »allein fürchte ich mich,« und sie blickte sich schaudernd nach den Delphinen um. »Es ist nicht kalt. Übrigens –« und lachend schlug sie den Doppelrock ihres weißen Kleidchens über ihren bloßen Kopf, wie eine Wallfahrerin im Regen. Es ließ ihr entzückend, das zarte Blütengesicht sah doppelt verführerisch aus in der weißen Hülle, die sie mit einer Hand unter dem Kinn festhielt. Sie setzte sich auf eine Bank neben die Statue einer Flora mit einem leeren Füllhorn und tänzelnder Pose. Einen Augenblick blieb er stehen, dann setzte er sich auch. Das Blut pochte ihm in allen Fingerspitzen, sein Mund war trocken. Wie herrlich das alles war! Rings um ihn Mondschein und Frühling, und neben ihm Kitty so ruhig und unbefangen, offenbar ahnungslos von dem Gewitter in seinen Nerven. »Man möchte immer hier bleiben,« sagte sie aus einem längeren Schweigen heraus mit ihrem vollen, innigen Kinderstimmchen und blickte ihn aus großen, begeisterten Augen an.

Er sah mühsam von ihr weg. »Nach allem, was ich heute beobachten konnte, hängt es wohl von Ihnen ab, ob Sie für immer hier bleiben wollen oder nicht,« murmelte er heiser.

»Ich hab's Ihnen schon einmal gesagt, ich kann nichts dafür, daß mir Herr Förster den Hof macht,« wies sie ihn humoristisch zurecht. »Wenn Sie auf jemanden böse sein wollen, so müssen Sie auf Herrn Förster böse sein, nicht auf mich.«

»Wie soll ich auf Herrn Förster böse sein,« murmelte Altenried, und plötzlich, fast auffahrend, setzte er hinzu: »Glauben Sie denn, ich würde Sie nicht auch neben mir festzuhalten trachten, wenn mir Ulmenhof gehörte?« So, da hatte er's! Sein armseliges bißchen Selbstbeherrschung war ihm gänzlich abhanden gekommen.

Was nun? ... Ja was? ... Kitty legte ihm ganz einfach die weiche kleine Hand auf den Arm und sagte: »Und jetzt wollen Sie weiter nichts von mir wissen, nur weil Ihnen Ulmenhof nicht gehört?«

Das weiße Röckchen, das sie noch immer mit der Linken unter dem Kinn festgehalten, war ihr von dem krausen Scheitel heruntergeglitten, der warme Duft ihres Haares streifte seine Wange, ihre großen Augen blickten zu ihm auf.

Was war da noch viel zu machen! Er nahm die kleine Hand, die sie auf seinen Arm gelegt, und küßte sie zwei-, dreimal. »Kitty, Kitty, mein Engel, mein Leben!« rief er. Dann hatte er plötzlich wieder einen Anfall von Vernunft. Sein Atem stockte. »Ich bete Sie ja an,« begann er, »Sie wissen's ja; wenn Sie es nicht gewußt hätten, so wären Sie nicht gegen mich gewesen, wie Sie gewesen sind ...«

»Wahrscheinlich,« sagte Kitty sehr ruhig.