»Es dürfte doch noch einige Zeit dauern, ehe das geschieht,« entgegnete Kitty.

Anna Marie hämmerte noch immer gutmütig darauf los, die »Dorfschwalben« jetzt.

»Dürfte ich bitten,« sagte Altenried.

Kitty nickte, und schon wirbelte sie im Arm des jungen Mannes fort, von der süß hinschmachtenden Musik getragen in einem Meer von warm pochender Jugendseligkeit.

Anna Marie blickte ihnen nach, mitten aus ihrer Thätigkeit am Klavier heraus. Sie sahen sehr hübsch aus miteinander, wie nur zwei junge Menschen mit sich instinktiv einander anschmiegenden Bewegungen.

»Wie gut er walzt für einen Preußen!« dachte Anna, die von österreichischem Lokalpatriotismus nicht ganz frei war.

Dann standen sie zusammen in einer Fensternische. Das Fenster war offen, und man sah den Mond draußen am Himmel in einem Gewimmel von zahllosen Sternen. Die milde, von süßherbem Wohlgeruch geschwängerte Luft strich ihnen um die Wangen.

Einige der Gäste fuhren fort zu tanzen, einige andere gingen paarweise oder zu dreien in den Garten hinaus. Kitty sah ihnen sehnsüchtig nach. »Möchten Sie nicht auch mit mir hinaus?« flüsterte sie, »es muß wunderschön sein jetzt.« Altenried stockte einen Augenblick. Wie oft hatte er sich heute bereits vorgenommen, vernünftig zu sein, aber es wollte ihm nun einmal nicht recht glücken! Ehe er sich's versah, wandelte er draußen neben Kitty über die breiten, roten Sandwege, die vom langsam sinkenden Nachttau feucht waren und auf welche die Schatten der noch dünnbelaubten Fliederhecken zwischen das grelle Mondlicht fielen.

»Ich will Ihnen meinen Lieblingsplatz zeigen,« sagte er leise. Er hatte ganz vergessen, daß Ulmenhof einem Fremden gehörte.

Er führte Kitty an einen runden Platz, um den hohe, in der Manier des Lenotre verstutzte Laubmauern emporragten. Gegen diese Laubmauern hoben sich abwechselnd Statuen und steinerne Bänke ab. Die Mitte des Platzes nahm ein derzeit versiegter Springbrunnen ein, dessen Becken zwei vermooste Delphine schmückten. Der Mond schien grell und verlieh den Statuen ein quälend unbestimmtes Halbleben. Sie sahen auf ihren Sockeln wie verzauberte Menschen aus, die plötzlich von einer wahnwitzigen Sehnsucht befallen worden wären, auf die Erde herunterzusteigen und noch einmal hinauszujubeln in den Frühling.