»Arme Hilde!« rief er etwas humoristisch aus.

»Ja, arme Hilde, fürwahr!« wiederholte die Mühlhausen tragisch. »Wie ich dich beneide, du spielst mit, du hast deine Rolle in dem Stück!«

»Eine kleinwinzige Rolle, aber endlich; auch die muß anständig durchgeführt werden!« rief Altenried, »ein jeder thut, was er kann!«

»Wenn's nur jeder thäte,« seufzte Hildegard elegisch, »an dir hatte ich keine Zweifel, du bist ein echter Altenried, und ein Altenried thut seine Pflicht.«

»Mach doch keine Phrasen über etwas, das sich von selbst versteht,« schnitt ihr der junge Offizier unwillig in ihren Redefluß hinein.

»Aber du freust dich doch auf den Krieg?« rief Hildegard zudringlich.

»Natürlich freu ich mich,« sagte er einfach, »das heißt« – er kraute sich hinter dem Ohr – »auf dem Gewissen möcht ich ihn nicht haben, den Krieg; aber ich freu mich, mitthun zu dürfen. Ein jeder freut sich, wenn er einmal die Gelegenheit findet zu zeigen, was allenfalls in ihm steckt. Und dann ist es ein großartiger, ein edler Krieg, man ist mit dem ganzen Herzen dabei. Nur um die arme Kitty ist mir leid!«

Er hatte sich in einen Lehnstuhl, ein spindelfüßiges Möbel, das noch aus der Zeit der französischen Invasion zu stammen schien, niedergelassen und legte die verschränkten Arme vor sich auf den Tisch.

»Wir haben Marschbefehl bekommen, vor drei Tagen – in Homburg hatten wir heute sechs Stunden Rast – ich hab mich frei gemacht, um herüberzukommen. Du weißt, wie ich mit dem alten Wißmuth stehe – hast du etwas dagegen, daß ich die Kleine hier erwarte, um Abschied zu nehmen?«

Fräulein von Mühlhausen zog die Mundwinkel herunter; sie hatte sich der Täuschung hingegeben, ihr Vetter sei gekommen, um von ihr Abschied zu nehmen – davon erwähnte sie natürlich nichts – sie warf nur ihren zerzausten, heute noch nicht frisierten Kopf zurück und meinte: »Du weißt, ich bin nicht wie die sentimentale Hohleisen, ich habe kein Interesse an Liebesaffairen, und deine Verlobung mit der kleinen Wißmuth ist nicht nach meinem Geschmack – im übrigen ...«