»Ich hab's ja gewußt, du hast dich wieder aufgeregt,« bemerkt er gereizt; »du weißt, was der Arzt dir anbefohlen hat – vor allem keine Aufregung!«
»Ja, ja, Karl,« murmelt Kitty demütig, »aber ich versichere dir, die Aufregung hat mir nicht geschadet.«
»Das kennt man,« ereifert sich Herr Förster, »die Frauen sind alle so! Was ihnen angenehm ist, das schadet ihnen nie, wenn sie sich aber den geringsten Zwang anlegen sollen, dann schützen sie ihre Nerven vor und legen sich zu Bett.«
»Ich versichere dir, daß ich mich morgen nicht zu Bett legen werde,« erwidert Kitty hastig begütigend.
»Das hoff ich,« repliziert Herr Förster, »und drum bitte ich dich, deine Kräfte zu schonen, damit du mich nicht vor meinen Gästen beschämst!«
»Ich werde mein möglichstes thun, ich versprech's dir,« murmelt Kitty.
»Was ich noch sagen wollte – die Offiziere speisen heute bei dem General in Ilmenau, sie fallen also diesen Abend weg beim Diner; morgen ist ein Liebesmahl in Hanau, an dem sie teilnehmen, doch haben sie mir versprochen, bei uns zu soupieren. Für zehn Uhr kannst du das Abendessen bestellen, Kitty!«
Kitty ist leichenblaß geworden, die unheimlichen roten Flecken unter ihren Augen abgerechnet, aber sie lächelt und erwidert nichts.
Indem hört man von neuem Schritte draußen, polternde, kleine Schritte diesmal, dann greift eine Hand an die Klinke, und ein frisches, zwitscherndes Stimmchen ruft atemlos: »Dürfen wir herein?«
Alle drei Kinder stürzen herein, der kleine Hans, in dunkelblauem Matrosenkostüm und roten Strümpfen, an der Spitze. Kaum daß man sie bewogen hat, die neue Tante mit gebührendem Respekt zu begrüßen, so drängen sie sich um Kitty herum. Hans, der schon ein ziemlich großer Bengel ist, springt ihr auf die Knie, umhalst und küßt sie und erzählt, zwischen jedem Wort nach Atem schnappend – so sehr hat er sich getummelt, ihr seine Nachrichten zu bringen –: »Es war wunderschön, Tante Kitty, so schade, daß du nicht dabei warst. Herr von Delormes hat uns dem General vorgestellt und der General hat lange mit uns geplaudert und er sagt, wenn wir groß sind, müssen wir beide Offiziere werden.«