Kittys Gesicht hat sich verändert, es strahlt vor Stolz und Freude, seitdem sich die kleine Schar um sie herum versammelt hat. Aber auch an Förster hat sich eine Wandlung vollzogen. Zum erstenmal erspäht Anna in seinem Blick eine Spur von Wohlwollen; offenbar teilt er bis zu einem gewissen Grad Kittys Gefallen an diesen lieblichen Kindern, betrachtet sie als sein Eigentum, ist stolz auf ihre Schönheit, auf ihren Freimut, auf ihre Zutraulichkeit im Verkehr mit großen Herren, die ihm sein lebenlang ein gewisses heiliges Grauen eingeflößt haben. Er streicht ihnen über das Haar und läßt sich von ihnen alle Einzelheiten ihrer Triumphe erzählen. Dann sich an Anna wendend, meint er: »Ich lasse Ihnen die drei Schreihälse hier zu Ihrer Unterhaltung, gnädiges Fräulein, werfen Sie dieselben nur hinaus, sobald sie Ihnen lästig geworden sind. Dich, Kitty, muß ich bitten, ein wenig mit mir auf mein Zimmer zu kommen, ich habe noch allerhand mit dir zu besprechen wegen morgen abend.«
»Ja, wegen des Festes,« murmelt Kitty, von neuem den Kopf senkend.
»Was für ein Fest?« fragt Anna Marie unruhig.
»Ich veranstalte alle Jahre eine kleine Privat-Sedanfeier,« erklärt Herr Förster, »und da ich heuer das Glück habe, mehrere unserer Helden unter meinem Dach zu beherbergen – sieben Offiziere liegen bei uns im Quartier –, so möchte ich alles daran wenden, die Feier dieses Jahr recht glänzend zu gestalten.«
Damit verschwinden er und Kitty. »Großer Gott!« ruft Anna Marie aus, wie sich die Thür hinter ihm geschlossen hat.
»Warum sagst du großer Gott?« fragt der kleine Hans, indem er altklug den blonden Kopf der linken Schulter zuneigt, »kannst du auch keine Offiziere leiden, wie Tante Kitty?«
»Kann Tante Kitty keine Offiziere leiden?« fragt Anna.
Der ältere Junge Fritz fällt seinem kleinen Bruder überlegen ins Wort: »Ach was, der versteht das ja noch nicht; gegen die Offiziere hat die Tante nichts, sie kann nur den Krieg nicht leiden, und die Offiziere regen sie auf, weil die sie an den Krieg erinnern!«
»Aber was bist du wieder einmal gescheit,« ereifert sich der kleine Hans, »der Krieg und die Offiziere, das gehört ja zusammen, die Offiziere sind doch nicht nur zum Anschauen. Wenn der Friede assekuriert wäre, da würde bald kein anständiger Mensch in der Armee dienen.«
»Das ist ja selbstredend, du plapperst doch nur nach, was ich dir neulich gesagt habe, du Grasaffe,« behauptet Fritz; »aber deswegen hab ich doch recht und die Tante hat nichts gegen Offiziere – nur gegen den Krieg. Aber der Krieg muß doch sein, wenn die Ehre des Vaterlandes ihn fordert.«