»O, Herr Förster kennt keine Vorurteile – darüber ist er hinaus. Er gehört zu den Liberalen,« sagte Kitty, indem sie ihre feinen Mundwinkel mißbilligend herabzog.

»Steht ihr im Verkehr?«

»Ja!«

»Und ist er nett?« fragte Fräulein Anna, indem sie versuchte, dem jungen Mädchen in die Augen zu sehen.

»Papa findet's,« erwiderte Kitty, die Brauen zusammenschiebend, trotzig.

Anna Marie wußte jetzt genau die Hälfte von dem, was sie wissen wollte.

Das ominöse Haus, das sich mit seinen Besitzern nicht vertrug, war längst außer Sicht, wieder rechts und links nichts als grüne Saatfelder, die man zwischen den grauen Baumstämmen schimmern sah, die zarten Halme unermüdlich im leisen Atem des Frühlings erschauernd, zitternd, sonnendurchleuchtet und kleine winzige Schatten werfend, die ganzen Felder wie mit Goldsand bestreut, in den sich ein dunkler Staub hineinmischte, und über der Straße rosig weiße Blüten, zwischen denen man den Himmel sah.

Plötzlich war's Anna, als durchliefe das junge Mädchen neben ihr derselbe süße Schauer, der das junge Getreide durchbebte. Sie sah auf.

Ein Reiter trabte die Straße entlang, ein schöner, blonder, junger Offizier war's, dem die Uniform gut saß. Er legte die Hand an die Mütze. Kitty wurde unruhig, der Reiter parierte sein Pferd. »Halten Sie einen Augenblick,« rief Kitty dem Kutscher zu.

»Erlaube, daß ich dir Herrn von Altenried vorstelle,« rief Kitty verlegen und altklug zugleich. »Meine Cousine Fräulein von Hohleisen. Waren Sie bei uns, Herr von Altenried?«