»Fahren Sie zu, Kutscher,« rief Kitty, indem sie plötzlich eine würdige Miene annahm und sich mit einem herablassenden Kopfnicken verabschiedete.

»Ein netter Bursch,« bemerkte Fräulein von Hohleisen, indem sie ihm, sich aus dem zurückgeschlagenen Wagen herausbeugend, mit der Unbefangenheit ihrer grauen Haare, nachsah – »wie gut er zu Pferde sitzt – und er trägt doch die Infanteristenuniform.«

»Ja,« erwiderte Kitty, »es freut ihn nicht sehr, daß er bei der Infanterie dienen muß – aber er kann sich nicht helfen. Ich glaube, er ist sehr arm,« und Kitty seufzte.

»Nun, weißt du, liebe Kitty, gar so tragisch ist es schließlich nicht, bei der Infanterie dienen zu müssen,« entgegnete Fräulein von Hohleisen vernünftig. Ihr Vater war Oberst eines Ulanenregiments gewesen, infolgedessen hielt sie darauf, ihre Unparteilichkeit zu beweisen.

»Das sagt er selbst,« erwiderte Kitty lebhaft, »er findet es eher komisch. Er findet alles komisch, was ihm unangenehm ist. Er ist einer von denen, die immer über ihre Miseren lachen. Aber mag er darüber lachen oder nicht, es ist doch traurig, wenn man bedenkt, daß er eigentlich heute in Ulmenhof seine Heimat haben sollte. Vor fünfzehn Jahren war der Besitz noch in den Händen seines Vaters.«

»Das ist wirklich traurig,« gestand Anna Marie zu.

Kitty schwieg und sah bekümmert und zärtlich vor sich hin.

Nach einem Weilchen begann Anna Marie von neuem: »Findet den dein Vater auch nett?«

»Ob er Herrn von Altenried nett findet, meinst du?« fragte Kitty wie aus einem Traum heraus.

Anna Marie nickte.