Das Klima des Weserberglandes ist als ein gemäßigtes zu bezeichnen. Die mittlere Jahrestemperatur in den Haupttälern bis zum Oberlauf der Flüsse beträgt wie im nördlich vorgelagerten Flachlande über 8° C, während sie auf den Höhen auf 6° sinkt. Die Verteilung der Wärme auf die vier Jahreszeiten ist aber wesentlich anders als im Flachlande. Der Januar zeigt bis Münden hinauf in den Tälern einen mittleren Stand von 0°, auf den Höhen von -1°, ist also kälter als an der Küste, wo das Meer erwärmend wirkt, und wärmer als auf den benachbarten Mittelgebirgen, Harz, Rhön, Thüringer Wald mit -3 bis -4°. Im April dagegen übertrifft die Mitteltemperatur der Gebirgstäler die des Flachlandes, da der höhere Sonnenstand im Süden sich bereits bemerkbar macht, während in größerer Seenähe das noch winterlich kalte Meerwasser die Lufttemperatur ungünstig beeinflußt. Es steht in dieser Jahreszeit der Küstentemperatur von etwa 7° eine solche von 8° in den Tälern des oberen Wesergebietes gegenüber. Die Höhen freilich haben auch dann im Mittel nur 5 bis 6°, übertreffen aber immerhin noch die Rhön mit 3°, den Thüringer Wald mit 2° und den Brocken mit 0,5°. Im Juli haben die Täler des Hügellandes ungefähr die gleiche Temperatur wie das Flachland, nämlich 17 bis 18°, da die entgegengesetzte Wirkung des höheren Sonnenstandes im Süden und der absolut höheren Lage einander aufheben. In größeren Höhen zeigt sich dagegen schnelle Abnahme der Temperatur, auf den 300 bis 500 m hohen Weserbergen bis zu 15° (vergleiche Rhön 13°, Kamm des Thüringer Waldes 12°, Brocken 11°). Der Oktober endlich weist ähnliche Zahlen auf wie der Jahresdurchschnitt.

Temperatur und Niederschläge.

Die Zunahme und Abnahme der Temperatur erfolgt nicht gleichmäßig von Monat zu Monat. Die rascheste Steigerung erfolgt um 4 bis 5° vom April zum Mai, der stärkste Absturz vom Oktober zum November; langsam dagegen (etwa um 1°) ist die Temperaturabnahme vom Juli zum August und vom Dezember zum Januar, ebenso langsam die Zunahme vom Januar zum Februar.

Nennen wir Winter die Zeit, in der die mittlere Tagestemperatur im Durchschnitt der Jahre unter den Gefrierpunkt sinkt, so ist dessen Dauer in den Niederungen unseres Gebietes auf zwei bis vier Wochen zu veranschlagen. Auf den Höhen dauert er dagegen von Anfang Dezember bis Ende Februar. Zum Vergleich diene die Bemerkung, daß das Flachland am Unterlauf der Weser keinen Winter im angegebenen Sinne kennt, daß dagegen auf der Rhön von Mitte November bis Mitte März Winter herrscht und auf dem Brocken gar fünf Monate lang.

Abb. 16. Buchenhochwald am Blümer Berg bei Münden. (Zu Seite [31].)

Niederschläge.

Im allgemeinen haben die höher gelegenen Orte die größere jährliche Niederschlagsmenge, da das Aufsteigen der feuchten Luftschichten in höhere und kältere Lagen eine Verdichtung der Wasserdämpfe und somit den bekannten Steigungsregen bewirkt. Zu berücksichtigen ist aber außer der Höhe eines Ortes die Frage, ob er an der Windseite (d. h. in unserem Klima Westseite) des benachbarten Gebirges oder auf der dem Winde abgewandten Ostseite liegt. Auf letzterer ist nie so viel Niederschlag. Überhaupt verliert die vom Meere hereinströmende Luft auf ihrem Wege landeinwärts immer mehr von ihrer Feuchtigkeit, so daß Orte von gleicher Meereshöhe im Westen mehr Niederschlag haben als im Osten. So findet man beispielsweise am Wiehengebirge und am Teutoburger Wald bereits bei 70 m Seehöhe eine Niederschlagsmenge von 700 mm, während man, um diese anzutreffen, im Solling bis zu 175 m, im Harz bis zu 200 m hinaufsteigen muß. Über 1 m Jahresniederschlag zeigen nur einzelne hochgelegene Stellen des Teutoburger Waldes und des Eggegebirges, auf 900 bis 1000 mm kommen die Höhen des Sollings, Hilses, Iths und Süntels, ferner der Köterberg und weitere Teile des Teutoburger Waldes; viel größere Flächen nimmt die Zone von 800 bis 900 mm ein, während die im Schutze höherer Berge liegenden Täler und Abhänge die Stufen von 600 bis 800 mm ausfüllen.

Abb. 17. Eibenruine bei Freudental unweit Münden. (Zu Seite [28].)