Der regenreichste Monat ist überall der Juli mit 11 bis 13% der Jahresmenge, die feuchteste Jahreszeit der Sommer. Diese hat in den Tälern des Südens 34–38 vom Hundert der gesamten Jahresmenge an Regen. Je höher aber die Orte liegen, desto mehr bekommen auch die anderen Jahreszeiten ihren Anteil an der Niederschlagsmenge, so daß auf dem Solling — ähnlich wie auf dem Oberharz — bereits die Winterregen überwiegen.

Die Zahl der Niederschlagstage beträgt in den Tälern etwa 150 fürs Jahr; auf den Höhen ist sie größer. Zum Vergleich diene es, daß Hannover nur 137, Cassel 149, Osnabrück dagegen 164 und Schießhaus im Solling 173 Niederschlagstage haben. Innerhalb eines Monats geht die durchschnittliche Zahl nicht über 18 hinauf und nicht unter 10 herunter.

§. Abb. 18. Der Meiler ist »holtrei«. Aus dem Solling. (Zu Seite [34].)

Wollte man aus der Verteilung der Niederschläge in den einzelnen Monaten und Jahreszeiten unmittelbar auf die in den Bächen und Flüssen jeweilig zu Tal beförderte Wassermenge schließen, so würde man sich gewaltig täuschen. Es darf nicht außer acht gelassen werden, daß die Zeiten des stärksten Niederschlages infolge ihrer hohen Temperaturen auch die Zeiten der stärksten Verdunstung sind. Infolgedessen versiegen besonders auf Kalkboden und auf spaltenreichem Sandstein, wo das Wasser zu unterirdischem Abfluß neigt, die Bäche im Sommer oft ganz und gar, wie z. B. mit ihren bezeichnenden Namen die Durrbeke bei Altenbeken und die Dürre Holzminde im Solling; und die Weser selbst hat leider ihren niedrigsten Wasserstand gerade zu der Zeit, wo sonst für die Schiffahrt die Bedingungen am günstigsten liegen. Größere Wassermengen, ja Überschwemmungen bringt mildes Winter- und Frühlingswetter, wenn die aufgespeicherten Feuchtigkeitsvorräte infolge der Schneeschmelze zu Tale eilen. Waren früher in den flacheren Talabschnitten die Hochwässer sehr gefürchtet und für den Verkehr störend, so haben sie seit der besseren Regulierung des Flußlaufes, der Vertiefung des Bettes, der Erweiterung der Durchlässe usw. das meiste von ihren Schrecken verloren. Hochwasserkatastrophen wie die vom Februar 1909 gehören jedenfalls zu den Seltenheiten.

§. Abb. 19. Köhlerhütte im Vogler. (Zu Seite [34].)

Die Weser.

Wenn die Weser bei Münden in unser Gebiet eintritt, hat sie eigentlich bereits zwei Fünftel ihres ganzen Weges und fast drei Fünftel ihres in das Gebirgsland fallenden Laufes hinter sich. Denn wir werden die Werra als das oberste Stück der Weser anzusprechen haben. Zwar hat die Fulda ein um ein Viertel größeres Niederschlagsgebiet als die Werra und besitzt in der Eder nebst der Schwalm Zuflüsse von einer Bedeutung, wie sie der Werra fehlen; dafür steht sie aber an Lauflänge hinter der Werra in dem Verhältnis von drei zu vier zurück. Spricht ferner zugunsten der Fulda die Abflußmenge, die unter normalen Verhältnissen der der Werra mindestens gleich kommt, bei Hochwasser aber sie bei weitem übertrifft, so könnte man für die Werra die gleiche Laufrichtung und den gleichen Charakter als Waldgebirgsstrom anführen, während die Fulda abgesehen von dem untersten Teile ihre eigene Physiognomie hat als Abfluß eines sanft welligen, offenen Hügellandes. Dieser Eindruck muß sich schon unseren Altvordern aufgezwungen haben. Sonst hätten sie nicht dem von der Rhön herabkommenden Fluß eine eigene Bezeichnung gegeben und hätten nicht das Kind des Thüringer Waldes mit dem Namen des Hauptstromes benannt. Dies ist aber tatsächlich geschehen. Denn den Formen »Werra« und »Weser« liegt bekanntlich die gleiche Urform »Wisar-Aha«, d. h. Westfluß, zugrunde, die durch eine nicht ungewöhnliche Angleichung des S an R im mitteldeutschen Sprachgebiet zu »Wirraha« und weiter zu »Werra« wurde, während die niederdeutschen Anwohner das S erhielten und den Namen nur zu »Wesera« und »Weser« verkürzten. Wenn man daher nicht, wie frühere Zeiten es taten, jeden der beiden Namen in Bezug auf den ganzen Strom beziehen und den einen oder den anderen anwenden will, je nachdem man eben hochdeutsch oder plattdeutsch spricht, dann müßte man die niedersächsische Benennung schon von der Sprachgrenze an abwärts gebrauchen und so das Stück des Flusses von oberhalb Hedemünden bis zum Einfluß der Fulda bereits der Weser zurechnen.