§. Abb. 20. Köhler im Solling auf dem brennenden Meiler. (Zu Seite [34].)

Das Tal von Münden bis Minden zeigt einen regelmäßigen Wechsel zwischen engen, gewundenen Schluchten und breiten, mehr gradlinig oder flachbogig verlaufenden Niederungen. Dieser Wechsel hängt mit der geologischen Beschaffenheit des Geländes insofern zusammen, als der Fluß in den Tälern der letzteren Art im allgemeinen auf Gesteinsgrenzen dahinströmt, im anderen Falle aber seinen Weg durch ein und dieselbe Formation hindurchbricht, und zwar nacheinander durch Buntsandstein, Muschelkalk, Keuper und Jura. Auf diese Weise entstehen sieben Stromabschnitte, von denen die ersten vier annähernd gleiche Länge haben, nämlich rund je 40 bis 45 km, die letzten drei jedoch zusammen nur halb so lang sind als jedes der ersten.

§. Abb. 21. Köhler im Solling beim Verpacken fertiger Kohlen. (Zu Seite [35].)

Im obersten Abschnitte fließt die Weser von Münden bis Herstelle in enger Spalte durch Buntsandstein, von dort auf der Grenze zwischen den beiden ältesten Gliedern der Trias bis zur Mündung des Forstbaches in ziemlich breitem Tale. Bei der Domäne Forst tritt sie in das Muschelkalkplateau ein, das sie wiederum in engem Tale durchbricht. Bei Ohsen beginnt der vierte Talabschnitt, den wir bis zu dem lippischen Dorfe Erder rechnen können, und der abgesehen von der etwas schmaleren Stelle bei Hameln wieder recht breit ist. Er scheidet diesmal die jurassische Weserkette von den Keuperbergen Lippes. Dann folgt von Erder bis Rehme der Durchbruch durch das Keupergebirge; von Rehme bis Hausberge strömt die Weser zwischen der Weserkette und bedeutenden Diluvialablagerungen in breitem Tale ostwärts, und endlich — das wäre der siebente Abschnitt — durchbricht sie in der Porta das Wesergebirge.

Auf diesem Lauf hat die Weser bei einer Luftlinien-Entfernung von etwa 105 km einen Weg von 204 km zurücklegt und ist dabei um 79 m gefallen, d. h. durchschnittlich 387 ‰ oder 1 : 2584, wobei natürlich der Oberlauf im allgemeinen ein stärkeres Gefälle aufweist als die unteren Strecken.

Abb. 22. Sattelmeierhof Nordhof bei Enger. (Zu Seite [45].)

Stromspaltungen sind im Weserlauf äußerst selten und, wo sie vorkommen, durch Ablagerungen schwerer Geschiebe veranlaßt, die entweder unmittelbarer von den Talwänden oder durch Vermittlung von Nebenbächen dem Strombett zugeführt wurden. Meist hat man sie künstlich beseitigt. Nur bei Hameln und Bodenwerder besteht noch eine wirkliche Insel. Vorübergehend treten Teilungen des Flusses bei Hochwasser ein, dessen Flutrinnen an einigen Orten »Alte Weser« genannt werden und in einzelnen Fällen wirklich ehemaligen Flußbetten entsprechen mögen. Die Breite des Stromes, von Uferbord zu Uferbord gemessen, beträgt oberhalb Carlshafen durchschnittlich 100, unterhalb 120 bis 140 m. Die Spiegelbreite schwankt naturgemäß und bleibt bei Mittelwasser um etwa 30 m hinter jener zurück. Ebenso verschieden ist nach Ort und Zeit die Tiefe des Flusses. Wo künstliche Ausbaggerung des Bettes nötig war, auf den sogenannten »Köpfen«, d. h. Schwellungen des natürlichen Untergrundes, begnügt man sich mit einer 25 m breiten Fahrrinne, die vorschriftsmäßig bei niedrigstem Wasserstande oberhalb Carlshafen 80 cm, unterhalb aber 1 m tief sein soll. An günstigen Stellen ist die Tiefe selbst bei Niedrigwasser etwas größer, bei Mittelwasser aber — abgesehen von einzelnen noch mehr bevorzugten Stellen — 2 m und darüber.

Weserzuflüsse.