Geschichte.
Eine Geschichte des Weserlandes zu schreiben, kann nicht der Zweck dieses Buches sein; auch würde ein solches Unternehmen voraussetzen, daß der Landstrich politisch eine Einheit darstellte. Das ist nun aber fast nie der Fall gewesen, und so wird sich diese historische Skizze, die der Beschreibung der einzelnen Landschaften vorausgehen mag, die Aufgabe stellen, die Buntscheckigkeit der heutigen politischen Landkarte zu erklären und nebenbei einige Ereignisse zu berühren, die sich ausschließlich oder doch vorzugsweise im Weserland abgespielt haben.
Altertum.
Seit dem vierten Jahrhundert v. Chr. finden wir dort fast überall Germanen außer links von der Weser, von wo die letzten Kelten weit später, wenn auch sicher schon vor Cäsars Feldzügen nach Westen gedrängt worden sind. Zur Zeit der Römereinfälle wohnten an der oberen Weser die kriegerischen Cherusker, von Angrivariern, Brukterern und Chatten im Norden, Westen und Süden umgrenzt. Sie und ihr tapferer und verschlagener Häuptling Arminius hatten die Führung jener Stämme in den Freiheitskriegen gegen die römischen Feldherren Quintilius Varus und Germanikus; in ihrem Gebiete lag der Teutoburger Wald, wo die Legionen des Varus im Jahre 9 n. Chr. aufgerieben wurden, und Idistavisus, wo Germanikus einen solchen Sieg davon trug, daß ihm der Geschmack an weiteren Lorbeeren verleidet wurde. Idistavisus ist vermutlich an der Weserkette zu suchen, doch wissen wir nicht wo; und auch die Lage der Teutoburg wird sich wohl nie mit unumstößlicher Gewißheit feststellen lassen. Viel für sich hat die Annahme Clostermeiers (1822), die auch Schuchhardt neuerdings vertritt, daß die Grotenburg bei Detmold, auf der jetzt das Denkmal des Arminius steht, die alte Teutoburg sei. Jedenfalls ist sie eine der altgermanischen Volksburgen, wie sie in Kriegeszeiten zum Sammeln des Aufgebots und als Zufluchtsstätte für Menschen und Vieh benutzt wurden, und zwar in unserem Gebiet die einzige sicher festzustellende; denn die Hünenburg bei Bielefeld und die Sieburg im Dreieck zwischen Diemel und Weser bei Carlshafen können auch jünger sein.
Einige Jahrhunderte nach jenen Kämpfen ist die Erinnerung an die alten germanischen Stammesbezeichnungen verschwunden. Es leben in Norddeutschland die kühnen, freien Sachsen, abgesehen von den Nordalbingern in die Stämme der Westfalen, Engern und Ostfalen geteilt. Nehmen manche Geschichtsschreiber eine friedliche Verschmelzung der alten Völkerschaften und die allmähliche Ausdehnung des Namens Sachsen auf die geeinte Stammesfamilie an, so stellen sich andere Forscher den Vorgang weniger idyllisch vor. Gewichtige Stimmen sprechen von einer im dritten und vierten Jahrhundert schrittweise vorgehenden Unterwerfung der Länder zwischen Rhein und Elbe durch die aus Holstein kommenden Sachsen.
Abb. 62. Straße in Eschershausen.
Nach einer Photographie von Prof. W. Nürnberg in Hannover. (Zu Seite [49], 53 u. 86.)
Für ihren kriegerischen Sinn zeugt die große Zahl der von ihnen errichteten Burgen. Es sind große befestigte Heerlager auf unzugänglichen Bergen, vielfach nur aus einer Mauer bestehend. Der ahnungslose Wanderer, der etwa die Amelungsenburg bei Hessisch-Oldendorf oder den Wittekindsberg bei der Porta betritt, wird die im Buchenwalde versteckt liegenden Wälle kaum beachten, wogegen der Forscher in ihnen wie in vielen anderen, z. B. der Karlsschanze bei Willebadessen, der Iburg bei Driburg, der Herlingsburg bei Schieder, der Obensburg bei Hameln, die deutlichen Züge der altsächsischen Befestigung erkennt.
Abb. 63. Adam und Eva am Ith.
Nach einer Photographie von Prof. W. Nürnberg in Hannover. (Zu Seite [86].)