Kemnade.
Das anschließende Dorf Kemnade besitzt noch von einem im zehnten und elften Jahrhundert gegründeten Benediktinerinnenstift eine schöne flachgedeckte Pfeilerbasilika mit einfachen und schlanken Formen (1046 geweiht). In ihr liegt der wegen seinen Aufschneidereien bekannte Freiherr von Münchhausen († 1797), der in Bodenwerder ein Gut besaß, begraben.
Hastenbeck. Hameln.
Auf der ferneren Fahrt wird uns noch das Renaissanceschloß des Grafen Schulenburg in Hehlen ([Abb. 61]) und der hübsche Flecken Grohnde auffallen, ferner an der Emmermündung die Dörfer Hagenohsen und Kirchohsen, sowie endlich das Rittergut Ohr unter dem steil abfallenden Ohrberg, einem beliebten Ausflugsort mit schönem, an exotischen Gewächsen reichen Park. Die üppige Fruchtebene zu unserer Rechten, überragt von dem Kalkrücken des Scheckens mit der altsächsischen Obensburg, ist das Schlachtfeld von Hastenbeck, auf dem am 26. Juli 1757 Hannoveraner und Franzosen miteinander stritten. Links öffnet sich das breite Tal der Humme. Aber schon winken uns die Türme Hamelns; das Schiff gleitet auf der spiegelblanken, durch die Wehre aufgestauten Flut dahin, und während wir uns in den zauberischen Anblick der alten Stadt vertiefen, die am Fuß der grünen Berge mit ihren Türmen höher und höher emporzuwachsen scheint, legt der Dampfer dicht oberhalb der Brücke neben dem stattlichen Bonifatius-Münster an. Wir sind am Ziele unserer Reise angelangt.
Abb. 87. Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal an der Porta Westfalica.
Nach einer Aufnahme von Hofphotograph C. Colberg in Oeynhausen. (Zu Seite [104].)
X. Die Hilsmulde.
Der Hils. Eschershausen.
Während der Fahrt, die wir auf dem schmucken Dampfer talwärts machten, sind uns unterhalb Holzmindens auf der rechten Seite der Weser, wenn die nahen Hügel oder das Voglergebirge den Blick in die Ferne nicht völlig versperrten, einige Berge aufgefallen, deren Form und Höhe unser Interesse erweckten. Es war der zackige Kamm des Iths und die waldige Höhe des Hilses. Beide gehören zu dem Gebirgssystem der Hilsmulde, über deren merkwürdigen geologischen Bau auf Seite [18] das Nötige gesagt ist. Wir erinnern nur daran, daß eine Wanderung von der Leine oder Weser bis etwa nach Grünenplan über eine Anzahl ringförmig einander umschließender Berge und Täler führt, von denen jedesmal die folgende Zone eine spätere Form der Erdrinde darstellt als die vorhergehende von den ältesten Gebilden der Trias bis zu den jüngsten der Kreide. Von der Weser aus führt uns eine Eisenbahn in die Hilsmulde hinein, die Linie Emmerthal-Vorwohle. Sie überschreitet den Strom bei Bodenwerder (vergl. Seite [83]) und verfolgt dann das Längstal der Lenne, dessen Westrand durch den Buntsandstein des Voglers gebildet wird, während im Osten hinter einer niedrigen Muschelkalkkette sich der Ith erhebt. Wir erreichen bald Eschershausen (1900 Einwohner), ein braunschweigisches Städtchen, im elften und zwölften Jahrhundert durch flämische Einwanderer wenn auch wohl nicht gegründet, so doch hauptsächlich besiedelt ([Abb. 62]). Früher hat es als Kreuzungspunkt der Straßen Alfeld-Holzminden und Einbeck-Bodenwerder eine gewisse Bedeutung gehabt. Jetzt ist es zusammen mit dem nahen Vorwohle der Sitz einer lebhaften Zement- und Asphalt-Industrie. Der Rohstoff dieser letzteren ist ein bis zu 15% mit Erdpech durchtränkter Kalkstein, der teils durch Tagebau, teils in Stollen und Gruben gewonnen wird, und aus dem sowohl Stampfasphalt als Gußasphalt in ziemlich beträchtlichen Mengen hergestellt wird.