Abb. 88. Minden. Verlag von Julius Bleek in Minden. (Zu Seite [104].)

Abb. 89. Inneres des Doms zu Minden. (Zu Seite [106].)

Der Ith.

Der Ith erscheint uns, von Eschershausen gesehen, gleichsam wie eine zinnengekrönte Mauer. Der zackige Kamm zieht sich, bis 439 m ansteigend, nach Nordwest 20 km paßlos hin; denn die beiden Landstraßen, die ihn überschreiten, klimmen bis zur Kammhöhe hinauf. Dann knickt er plötzlich nach Osten um. Dieser südwestlichen Mauer entspricht eine ähnliche, wesentlich längere ohne Gesamtnamen im Nordosten, nur daß diese sich mehr in einzelne Berge auflöst und durch zwei Bäche, die Glene und die Wispe, durchbrochen ist. Im Norden klafft zwischen der Ost- und der Westmauer eine etwa 5 km weite Öffnung, der die Saale entströmt. Im Süden ist der äußere Ring überhaupt nicht geschlossen; doch legt sich hier die Hilshöhe (s. Seite [88]), wenn auch nicht vollständig, in die Lücke hinein. Die ganze Ellipse von fast 40 km Länge und 10 km Breite besteht aus Gebilden des weißen Jura, dessen Schichten nach dem Inneren der Mulde ziemlich steil einfallen und dem Wanderer, der sie von der Außenseite her nehmen will, schroffe, dräuende Dolomitklippen entgegenhalten. Manche von ihnen haben geradezu die Form von Keulen oder Nadeln, wie die berühmten Steine »Adam und Eva« bei Coppenbrügge ([Abb. 63]). Der Kamm hebt und senkt sich fortwährend und ist, besonders auf dem Ith, äußerst schmal. Eine Gratwanderung ist daher recht beschwerlich; denn selbst der Buchenwald, der nur mager gedeiht, gewährt nicht immer ausreichenden Schatten. Aber doch welch ein Genuß, von den Rotensteinfelsen bei Eschershausen ([Abb. 64]), von den Dielmisser Felsen, von dem Mönchstein bei Lauenstein oder vom Kahnstein bei Salzhemmendorf, hoch oben am Rande der senkrechten Wand stehend, auf das fruchtbare Vorland hinabzuschauen, in dem die Dörfer sich eng geschlossen und ziegelrot wie auf der Landkarte aus dem gelb, braun und grün gezeichneten Gelände abheben. Noch mühseliger freilich ist es, sich durch die Felswildnis hindurchzuarbeiten, welche die äußeren Abhänge jener Bergketten begleitet. Aber lohnend ist auch das, zumal wenn wir so interessante Punkte aufsuchen wie die Teufelsküche bei Coppenbrügge, wo der gewaltige Garnwindel- oder Wackelstein auf schmaler Basis ruht, oder die Kammersteine am Selter bei Freden mit ihrer Höhle.

§. Abb. 90. Bergkirchen auf dem Wiehengebirge. (Zu Seite [107].)

Das zwischen jenen Bergen eingeschlossene Becken ist ebenfalls reich an gutem Ackerboden, birgt aber auch viele verwertbare Mineralien, wie Kalk, Gips, Ton, Braunkohle und Eisenerz. So hat es sich denn auch gelohnt, eine normalspurige Kleinbahn von Voldagsen an der Linie Hameln-Hildesheim bis zu der Eisenhütte bei Delligsen in die Hilsmulde hineinzuschieben. Sie berührt zunächst das reizende Lauenstein (1200 Einwohner), das sich fast in den oben erwähnten Knick des Ith hineinschmiegt und von schön bewaldeten Hügeln umgeben ist ([Abb. 65]). Der Ort ist unter dem Schutz einer den Herren von Homburg gehörigen und in ihren Resten noch erhaltenen Burg entstanden, wie auf der anderen Seite des Gebirges der Flecken Coppenbrügge seinen Ursprung einer Feste der Grafen von Spiegelberg zu verdanken scheint, die jetzt als Amthaus dient.

Salzhemmendorf (1300 Einwohner) am Fuße des Kahnsteins hat seine Saline 1873 eingehen lassen, besitzt aber noch sein kleines Solbad, wenn auch die riesigen Kalksteinbrüche den Flecken fast ganz zum Industrieorte zu machen drohen. Duingen (1100 Einwohner) dagegen sieht seit den siebziger Jahren allmählich seine alte, bodenständige Steingutindustrie dahinschwinden, die dem Wettbewerb mit dem billigen Emailgeschirr auf die Dauer nicht standhalten kann. Der tertiäre Ton, der sich dort in vereinzelten Nestern findet, wurde von selbständigen Meistern, von denen gegenwärtig nur noch vier das Gewerbe fortsetzen, auf dem Drehrade mit der Hand zu Töpfen, Schüsseln, Krügen usw. verarbeitet und in kleinen Öfen mit Stroh gebrannt. An die Stelle der Erzeugung von Topfware ist jetzt zum Teil der Handel mit solcher getreten. Man läßt sie von auswärts kommen, z. B. aus Bunzlau, und fährt sie in den Dörfern herum, wo die Landleute sie unmittelbar vom Wagen kaufen.