Abb. 91. Königl. Kurhaus in Bad Oeynhausen.
Nach einer Aufnahme von Hofphotograph C. Colberg in Oeynhausen. (Zu Seite [107]/108.)
Ein viel besuchtes Plätzchen in der Nähe ist die berühmte Lippoldshöhle, eine vermutlich sehr alte Wohn- und Befestigungsanlage, die, vielleicht mit Benutzung natürlicher Höhlen, in den Korallenkalk des Reuberges bei Brunkensen hineingearbeitet worden ist. Sie liegt an dem Durchbruchstale der Glene, die hier einer Papierfabrik dienstbar gemacht ist, und hatte wohl den Zweck, diesen Engpaß zu sperren. Dies wird um so wahrscheinlicher, als auf dem Reuberge einst die Burg Hohenbüchen lag, und als in der Familie ihrer Besitzer, der Herren von Rössing, der Name Lippold nicht selten war. Die Sage aber hat die alte Höhle zum Räubernest gemacht, was ja in einem gewissen Sinne auch nicht unrichtig ist; sie weiß von Lippolds Freveltaten schauerliche Mären zu erzählen und läßt ihn selbst verdientermaßen auf dem Rabensteine enden. Oft suchen die Schulen der Umgegend den romantischen Platz auf. Die jugendlichen Wandersleute steigen dann gerne auf der schwankenden Leiter zu des Räubers »Stube« und »Kammer«, kriechen mit den Wachsstümpfen in der Hand durch den niedrigen, schmalen Gang zum »Schornstein« und lassen sich durch diesen zur »Küche« und zum »Pferdestall« herab, derweil die besonneneren Begleiter sich im Schatten der Felsen an der plätschernden Glene der Rast erfreuen und den Zauber der märchenhaften Umgebung auf sich wirken lassen.
Ith und Hils.
In den südöstlichen Teil des besprochenen Juraringes ist nun ein kleinerer Ring sozusagen eingeschaltet, der der Kreideformation angehört; es ist der eigentliche Hils selbst. Er übertrifft den Jurazug an Höhe, da er im Großen Sohl und in der Bloßen Zelle bis zu 471 und 477 m ansteigt. Auf der Karte gleicht er einem menschlichen rechten Ohr; er zeigt nur im Osten eine Öffnung, und diese wird durch das Tal der Wispe gebildet. Steigt ihr hinauf zu einer kahlen Stelle des breiten Hilsrückens, so überschaut ihr ein Waldland von echtem, herbem Mittelgebirgscharakter. Denn auf dem Hilssandstein gedeihen ausgedehnte Fichtenwälder und nur auf den jüngeren Formationen, besonders dem Pläner, findet sich Buchenwald. Bäuerliche Siedelungen fehlen hier gänzlich. Inmitten dieser kleinen, aber durch Naturschönheiten besonders bevorzugten Berggruppe liegt tief im Kessel Grünenplan, eine ganz junge Gründung. Denn den Kern des braunschweigischen Dorfes bildet eine Spiegelglashütte, die des billigen Brennholzes wegen im Jahre 1740 angelegt wurde, und zwar, wie es scheint, an Stelle älterer, wieder verlassener Hütten. Wer möchte es glauben, daß dieses Dorf viele weit gereiste und sprachkundige Männer beherbergt! Es sind Vogelhändler, die aus dem Oberharz die kleinen gefiederten Sänger, zumal Kanarienvögel, beziehen und sie dann selbst in überseeische Länder, besonders nach Süd- und Mittelamerika, bringen. Zu diesen Erwerbszweigen tritt neuerdings die Fremdenindustrie. Denn Grünenplan kommt als Sommerfrische immer mehr in Aufnahme.
Abb. 92. Osnabrück vom Gertrudenberge aus gesehen.
Nach einer Photographie von J. H. Evering Wwe. in Osnabrück. (Zu Seite [108]/109.)
XI. Osterwald, Deister und Bückeberg.
Der Osterwald.