Nördlich von der Hilsmulde und von ihr geschieden durch die breite Niederung der Saale, durch welche nach Überwindung des Scheckenpasses bei der alten Sachsenfeste Obensburg die Eisenbahn Hameln-Hildesheim der Leine bei Elze zustrebt, erhebt sich ein bis zu 419 m Höhe ansteigender, sanft gewölbter Rücken aus Wealdensandstein, in seinem östlichen Teile Osterwald, im westlichen Nesselberg genannt. Es ist trotz des reichen Waldbestandes landschaftlich ein etwas einförmiges Gebiet. Wirtschaftlich wichtig ist dagegen seine Kohle und sein feinkörniger, von den Architekten hochgeschätzter Sandstein, der z. B. für das Berliner Reichstagsgebäude verwendet worden ist. Kohle und Stein werden in zahlreichen Brüchen und mehreren Gruben bei dem hochgelegenen Dorfe Osterwald gewonnen. Reizvoller ist die im Norden sich anschließende jurassische Kette, deren Dolomitklippen, der Weiße Stein, die Barenburg mit ihren alten Wallresten, der Drakenberg und die romantische Landgrafenküche, ziemlich steil nach der Ebene abfallen. Gern besucht man daher diese Punkte von Hannover aus, lieber noch die idyllische Holzmühle in einem Quertale dieses Zuges und den Saupark bei Springe, in dem der Kaiser jedes Jahr im Spätherbst ein Treiben auf Schwarzwild abzuhalten pflegt, und wo man zu anderen Zeiten die schwarzen Vettern unseres Hausschweines an den Futterstellen friedlich schmausen sehen kann ([Abb. 67]).
Saupark. Deister.
Der Saupark, auch Kleiner Deister genannt, bildet mit dem Ebersberge, der bereits zum eigentlichen Deister gehört, die beiden Torpfosten der Deisterpforte, eines strategisch wichtigen Passes, durch den die Eisenbahn Hannover-Hameln hindurchführt ([Abb. 5]).
Auch der Deister ist ein beliebtes Ausflugsziel der Hannoveraner trotz seiner Einförmigkeit. Sein Hauptreiz besteht, wenn wir nicht die Bennigser- und die Heisterburg (Seite [58]) mit fachmännischem Interesse betrachten, in dem prächtig gedeihenden Buchenwalde, der fast alles überzieht, meist sogar den gleichmäßig gestreckten, breiten Kamm, der 400 m nur an einer Stelle überragt, überall aber die sanften Nord- und die steileren Südhänge, sowie die flachen, gleichgerichteten Auswaschungstäler, die den Nordabhang in eine große Zahl sogenannter »Brinke« teilen.
Ähnlich wie der Osterwald besteht auch der Deister aus einem Kern von Wealdensandstein mit einem vorgelagerten Weißjuragürtel (Näheres Seite [9]). Dieser liegt aber im Süden, nicht wie dort im Norden. Infolgedessen ist hier im Gegensatz zum Osterwalde die Ausbeutung der Kohlenlager und Sandsteinbänke von Norden her begonnen worden, und der Norden hat auch zuerst seine Bahnverbindung in der Linie Weetzen-Haste erhalten.
Abb. 93. Der Markt in Osnabrück mit Rathaus, Stüve-Denkmal, Ratswage und Marienkirche.
Nach einer Photographie von Karl F. Wunder in Hannover. (Zu Seite [110].)
Als Siedelungen am Deister sind außer Springe (3100 Einwohner), dem in einer fruchtbaren Mulde gelegenen ehemaligen Hauptort der Grafschaft Hallermund, der einige Teppichfabriken besitzt, noch folgende zu nennen: an der Nordostseite Barsinghausen, der Mittelpunkt des Kohlenbergbaues und des Touristenverkehrs, mit schöner, alter Klosterkirche, an der Nordwestecke Nenndorf mit ziemlich bedeutendem Bade, das die stärksten Schwefelquellen Deutschlands besitzt, und dicht dabei das Städtchen Rodenberg (1700 Einwohner) mit einer Saline.
Der Bückeberg.
Die Rodenberger Aue trennt den Deister vom Bückeberge, der zwar anders streicht als der Deister, aber der gleichen Formation angehört und auch landschaftlich ihm in gewissem Grade ähnelt. Freilich hat hier der Buchenwald auf weite Strecken den Fichtenpflanzungen weichen müssen. Die Sandsteinbrüche befinden sich hier in höheren Lagen als am Deister und Osterwald, nämlich oben auf dem Kamm, so daß die Schutthalden den Bergzug meilenweit kenntlich machen. Die Steine werden in der Regel oben nur roh behauen und dann auf Wagen zu Tale befördert. An Vortrefflichkeit stehen sie keinen anderen nach und haben daher auch für manchen berühmten Bau, wie das Antwerpener Rathaus, das Schloß und die Börse in Amsterdam und den Kölner Dom, das Material geliefert. Die Kohlenflöze liegen hier jedoch tiefer als am Deister. Gegenüber dem überwiegenden Stollenbetrieb dort haben wir daher hier Schächte. Sie liegen am Nordfuße des Gebirges in der Gegend von Obernkirchen; die Kohlen können meist unmittelbar auf den Stationen der Bahn Rinteln-Stadthagen verladen werden und gelangen zum großen Teil in Rinteln zu Schiffe.