§. Abb. 94. Tecklenburg. (Zu Seite [114].)

Die Wealdenkohle.

Die Wealdenkohle, welche nicht nur an den zuletzt besprochenen drei Bergzügen, sondern auch am Süntel, an der Nordseite des Wiehengebirges und im Amte Iburg bei Osnabrück vorkommt, nimmt nach Alter und Beschaffenheit eine Mittelstellung zwischen der eigentlichen Steinkohle der Karbonzeit und der Braunkohle ein. Die beste ist die am Bückeberge, die der westfälischen an Heizkraft fast gleichkommt; dieser steht die Deisterkohle nach, und die Osterwaldkohle ist noch geringer.

Die ältesten Werke sind die am Bückeberge; denn sicher hat dort ein geregelter Betrieb schon im Jahre 1520 bestanden; weniger einwandfreie Nachrichten lassen den Bergbau sogar bis auf das vierzehnte Jahrhundert zurückgehen. Am Osterwalde legte Herzog Julius von Braunschweig-Lüneburg in den achtziger Jahren des sechzehnten Jahrhunderts die ersten Gruben an, um die Salinen von Hemmendorf mit Steinkohlen zu befeuern; am Süntel, von dem weiter unten die Rede sein wird, und am Deister begann die Bergwerkstätigkeit zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges, wobei allerdings erwähnt werden mag, daß damals am Deister schon von verlassenen Stollen die Rede war, an deren ehemaligen Betrieb sich alte Leute noch erinnern wollten. Der eigentliche Aufschwung des Bergwerksbetriebes setzt erst mit der Entstehung der Hannover-Lindener Industrie im zweiten Viertel des neunzehnten Jahrhunderts ein. Für sie war das Vorhandensein der Deisterkohle geradezu eine Vorbedingung.

Der Besitz der verschiedenen Werke liegt teils in Privathänden, teils in denen des Staates. Die Kohlenfelder am Bückeberg beutet Preußen mit Schaumburg-Lippe gemeinsam aus. Die gesamte Förderung des besprochenen Gebietes betrug ohne Osterwald und Süntel im Jahre 1907 fast eine Million Tonnen, die Belegschaft rund 6300 Mann.

Stadthagen.

Im Gegensatz zum Osterwalde und Deister ist der Bückeberg nicht völlig unbewohnt. Nein, gerade auf der höchsten Stelle hat sich eine kleine Ansiedlung von Steinbruchsarbeitern und -beamten gebildet. Am Nordfuße liegt Stadthagen (6700 Einwohner) mit hübschem schaumburg-lippischem Schloß. Der Ort, früher Grevenalveshagen, d. h. Graf Adolfs (des Vierten) Hagen, ist ursprünglich eine der Seite [44] erwähnten Hagenkolonien aus dem dreizehnten Jahrhundert, von denen aus der Nachbarschaft noch Krebshagen, Wendhagen, Kathrinhagen u. a. zu nennen sind.

Obernkirchen.

Wesentlich älter ist Obernkirchen (4200 Einwohner), das den Ursprung seines ehemaligen Benediktinerinnenklosters auf die Zeit Ludwigs des Frommen zurückzuführen sucht. Die gut wiederhergestellte gotische Hallenkirche ist sehenswert. Die Einwohner des Orts finden in den Steinbrüchen und Gruben, sowie auch in der bedeutenden Glashütte Schauenstein Beschäftigung.