Nach diesem Abstecher kehren wir zu unserer Gebirgswanderung zurück, deren größter Teil noch vor uns liegt; denn etwa 70 km trennen die Porta von der Hase. Aber es mindern sich die Reize des Gebirges links der Weser mehr und mehr. Die Gliederung ist einfacher, sie geschieht fast nur durch einige tief einschneidende Quertäler. Die Klippen aus Korallenkalk fehlen ebenso wie die malerischen Vorberge, die wir in der eigentlichen Weserkette beobachtet haben. Mißt der Wittekindsberg 277 m über den Meeresspiegel, und erreichen zwei Berge bei Lübbecke noch 320 m, so nimmt das Gebirge weiterhin an Höhe und Breite ab und endigt westlich von Bramsche in Hügeln, welche die Diluvialebene kaum noch überragen. Daß die Bewaldung nur dürftig ist, wurde Seite [30] bereits erwähnt. Von Osterkappeln ab tritt Nadelwald an Stelle der Buchen.
Das Wiehengebirge.
Der Name Wiehengebirge (vielleicht = Wittekindsgebirge) kommt der Kette im Volksmunde nur bis in die Gegend von Lübbecke zu; weiterhin gibt es auf eine längere Strecke hin keinen volkstümlichen Gesamtnamen; und erst im Osnabrückischen wird wieder die Bezeichnung Süntel gebraucht.
Als einheitlicher, ungegliederter Wall zieht sich das Gebirge von der Porta bis zu dem Passe, den man nach dem hoch auf dem Sattel reitenden Dorfe Bergkirchen (163 m) zu benennen pflegt ([Abb. 90]). Bald folgt ein etwas tieferer Paß, die Wallücke; Eisengruben haben hier zur Anlage einer Kleinbahn nach Löhne Veranlassung gegeben. Weitere Erwähnung verdient höchstens noch das Städtchen Lübbecke (4000 Einwohner), das bereits in den Kriegen Karls des Großen eine Rolle gespielt hat, und das Solbad Essen.
§. Abb. 111. Donopbrunnen in Detmold. (Zu Seite [116].)
Oeynhausen.
Wollten wir von Minden die Bahn nach Osnabrück benutzen, so würden wir anfangs dem Laufe der Werre und Else entgegenfahren, dann dem der Hase folgen (vergl. Seite 26). Die Weser überschreiten wir bei Rehme, dem übertausendjährigen, und erreichen dann eine der jüngsten Städte Westfalens, das Solbad Oeynhausen (3400 Einwohner). Die ersten Bohrversuche durch den Berghauptmann v. Oeynhausen, nach dem der Ort genannt ist, gehen auf das Jahr 1830, die Anlage der ersten Bäder bis 1845 zurück. Später nahm der Staat die Ausgestaltung der Anlagen in die Hand. Jetzt besitzt der Ort, der sich seit 1885 der Stadtrechte erfreut, verschiedene warme und kalte Solquellen, die jährlich rund 15000 Gäste zu dem freundlich gelegenen, geschmackvoll und behaglich eingerichteten Bade locken und außerdem zur Gewinnung von Kochsalz dienen ([Abb. 91]). Das tiefste Bohrloch ist bis auf 707 m hinabgetrieben. Löhne ist ein bedeutender Eisenbahn-Knotenpunkt mit verschiedenen industriellen Anlagen, Bünde (5000 Einwohner) ein reizloses Städtchen, bekannt durch seine Zigarrenfabriken, seine Würste und seine Missionsfeste, Melle (3200 Einwohner) ein bescheidenes Solbad inmitten äußerst fruchtbaren Ackerlandes.
Elsetal. Piesberg. Osnabrück.
Nicht mit zum Wiehengebirge oder zum Süntel können wir aber die Berge rechnen, die sich zwischen jener zusammenhängenden Bergkette und der Else-Hase-Rinne, vielfach gegliedert, von Ost nach West ziehen. Sie sind stellenweise, so bei Melle und in der Gegend von Schledehausen, gut bewaldet und entbehren des landschaftlichen Reizes nicht. Ein besonderes Interesse beansprucht der nordwestlich von Osnabrück gelegene Piesberg wegen seines im Jahre 1899 leider eingegangenen Kohlenbergwerkes, das eine ausgezeichnete Anthrazitkohle förderte, und wegen der mächtigen, noch jetzt von etwa 1000 Arbeitern ausgebeuteten Steinbrüche. Der dort gewonnene Kohlensandstein ist außerordentlich hart, aber recht grobkörnig. Er wird besonders als Pflaster- und Schotterstein verwendet. Zum Werkstein eignet er sich nicht; wohl aber wird der ausgewaschene Splitterkies mit Zement zu einem Kunststein namens Durilith verarbeitet, den man in Osnabrück vielfach zum Bau monumentaler Fassaden benutzt.