Abb. 112. Das Hermannsdenkmal.
Nach einer Photographie von H. Baumann in Bielefeld. (Zu Seite [116].)
Osnabrück. Der Osning.
Daß Osnabrück (60000 Einwohner) eine sehr alte Siedelung ist, vielleicht die älteste unseres ganzen Gebietes, dafür spricht mancherlei; so das Vorhandensein zahlreicher Steingräber, wie sie sonst in unserem Gebiete nicht vorkommen, ferner aber auch der alte germanische Name Osnabrück selbst, der vermutlich als Götterbrücke zu deuten sein wird, wie Osning als Götterberg (s. Seite [110]). Schwanken auch die Annahmen über die Entstehungszeit der Steingräber oder Dolmen, deren wir in den Karlssteinen am Piesberg ein treffliches Stück besitzen, so fällt sie doch wohl kaum später als in die Mitte des letzten vorchristlichen Jahrtausends. Die Gründung des Bistums erfolgte wohl bald nach dem entscheidenden Siege der Franken über Wittekind an der Hase (783), jedenfalls aber noch vor 787. Osnabrück ist also das älteste und wohl auch das bedeutendste sächsisch-karolingische Bistum gewesen. Um die Domfreiheit, die — wahrscheinlich schon vor der Gründung der ersten Kirche — von Bauern, später Ackerbürgern, bewohnt war, bauten sich Handwerker und Gewerbetreibende an. So erlangte der Ort, der später dem Westfälischen Städtebunde, sowie auch der Hansa beitrat, eine große Bedeutung als Handelsstadt und betrieb einen schwunghaften Export von Erzeugnissen der Landwirtschaft, besonders der Viehzucht, wie Schinken, Häuten und Wolle, sowie von Leinwand und Tuch. Die Tuchmacherei, die im Jahre 1600 noch über 300 selbständige Meister beschäftigte, erlag in der Folgezeit der englischen Konkurrenz, während sich die Leinweberei zwar länger hielt, aber infolge der Wirren des Siebenjährigen Krieges und infolge des Überganges vom Handbetrieb zum Maschinenbetrieb schwere Krisen durchmachen mußte. Die heutige Regierungsbezirks-Hauptstadt, deren schnelles Wachstum erst seit dem großen Kriege von 1870 beginnt — denn im Jahre 1868 zählte sie noch 19600 Seelen gegen 59600 im Jahre 1905 —, ist nach ihrem industriellen Charakter in erster Linie Metallstadt. Erster Arbeitgeber in diesem Gewerbezweige ist der Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenverein, der außer der Georgsmarienhütte am Fuße des Dörenberges südlich von Osnabrück noch in der Stadt selbst das Eisen- und Stahlwerk, außerdem aber Erzfelder am benachbarten Hüggel, am Schafberg bei Ibbenbüren (s. Seite [110]), an der Wallücke (vergl. Seite [107]) und bei Werne in Westfalen besitzt. Auch der Piesberg gehört ihm. Im ganzen beschäftigt er weit über 6000 Arbeiter und erzeugte im Jahre 1907 über 300000 Tonnen Roheisen, Halb- und Fertigfabrikate. Als Gegenstände des Osnabrücker Gewerbefleißes sind besonders Eisenbahnbedarfsartikel wie Schienen, Schwellen, Weichen, Wegschranken, ferner aber Drahtröhren, Maschinen allerart, Brücken, Dachkonstruktionen, Kochherde, Kraftwagen und Musikinstrumente zu nennen, die in einer großen Anzahl von Fabriken erzeugt werden. Stark ist der Gegensatz zwischen dem modernen und dem mittelalterlichen Osnabrück, die noch nebeneinander bestehen. Niemand, der vom Gertruden- oder Westerberg das malerische Städtebild auf sich wirken läßt, wird sich diesem Eindruck entziehen können ([Abb. 92]). Zwar hat der Bischof, der seit dem Westfälischen Frieden seine Landeshoheit in der merkwürdigen Weise mit dem Welfenhause teilen mußte, daß abwechselnd ein katholischer Prälat und ein protestantischer Prinz das Fürstentum regierte, seit 1803 seine Reichsunmittelbarkeit verloren. Aber doch werden wir noch einen Begriff von der einstigen Bedeutung dieses kirchlichen Mittelpunktes empfinden, wenn wir den wuchtigen spätromanischen Bau des Domes und die schönen gotischen Gotteshäuser, die Johannis-, Marien- und Katharinenkirche, betrachten. Anderseits zeugen das stattliche spätgotische Rathaus nebst der Ratswage ([Abb. 93]) und die hübschen Wohnhäuser aus dem sechzehnten Jahrhundert von dem stolzen, tüchtigen Bürgersinn, der aus Osnabrück das gemacht hat, was es ist, und der auch bis jetzt nicht geschwunden ist.
§. Abb. 113. Die Externsteine. (Zu Seite [118].)
XIII. Osning, Teutoburger Wald und Egge.
Teutoburger Wald.
Das 100 km lange, schmale Gebirge, das mit dem niedrigen Huckberg unfern der Ems beginnt und bei Horn in Lippe in dem Velmerstot gipfelt und endet, hat im Mittelalter den Namen Osning, auch Osnegge, geführt; diese Bezeichnung umfaßte zugleich den südlich anschließenden Zug vom Velmerstot bis zum Diemeltale, der heute kurzweg Egge genannt wird. Egge, hochdeutsch Ecke, bedeutet soviel wie Schneide, enthält also eine ähnliche Bildvorstellung wie der Ausdruck Kamm. Asen-Egge ist also der Götter-Bergkamm. Jetzt wird der Name Osning besonders der Strecke von Örlinghausen bis Osnabrück beigelegt. Der aus Tacitus' Annalen stammende Name Teutoburger Wald wurde erst im neunzehnten Jahrhundert, nach den Befreiungskriegen, auf unser Gebirge, und zwar zunächst auf den sogenannten Lippischen Wald bezogen, seitdem der Detmolder Archivrat Clostermeier unter Hinweis auf die alte Befestigung der Grotenburg und auf deren mittelalterlichen Namen Teut den Nachweis zu führen versucht hatte, daß dort der Ort der Varusschlacht sei.