Ja, vielem mag die Moderne entfliehen, sie mag entfliehen der Kirche, mag entfliehen dem weltlichen Gerichte, mag entfliehen den Vorwürfen des eigenen Gewissens, einem ist sie noch nicht entflohen: dem Gerichte des allmächtigen und allwissenden Gottes, und dem entgeht sie nicht. Furchtbar aber ist es, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen.

So führt die Sanktion der Ethik wiederum auf Gott zurück, Gott ist der Ursprung der Ethik. Gott die Norm, Gott der letzte Halt. Moral ohne Gott ist ein Leib ohne Seele.

»Eine Spinne«, so erzählt der Dichter Jörgensen, »ließ sich an einem Faden herunter von einem Ast; nun eilte sie hin und her und spann ihr kunstvolles Netz. Lange lebte sie gesichert in ihrer Behausung; da stieß sie auf ihren kleinen Rundreisen eines Tages wieder auf den ersten Faden. Sie hatte seine Bedeutung vergessen und – biß ihn ab – und ihr ganzes Haus stürzte zusammen.«

Von Gott kam die Menschheit, und um den Gottesgedanken baute sie ihr geistiges und ethisches Gebäude – sie zerstört den ersten Faden, und mit ihm sinkt ihr ganzes Haus in Trümmer. Der Ethik letztes Wort lautet: »Ich bin der Herr, dein Gott, du sollst keine fremden Götter neben mir haben.«


Schlusswort.

In Babylon war es. Hell strahlten die Lichter des Königspalastes ins Dunkel hinaus. Im Innern sah man den Herrscher Belisar an festlich geschmückter Tafel, um ihn in goldstrotzender Uniform die Großen des Reiches, die Königin mit ihrem Hofstaat in rauschenden Gewändern. Man aß und trank, spielte und tanzte. Und als der Wein das Blut in Wallung gebracht, da erreichte der Frevel seinen Höhepunkt. Belisar ließ sich die aus dem Heiligtum in Sion geraubten hl. Gefäße bringen, ließ sie mit perlendem Wein füllen und reichte sie seinen Gästen. Und sie tranken alle daraus und jeder pries seinen Götzen. Da erschien eine geheimnisvolle Hand und schrieb an die Wand: Mane, Thekel, Phares.

Man erblaßte, die Kniee schlotterten. Ein Signal ertönt, Rufe werden laut, Krieger stürzen mit gezücktem Schwert in den Saal, morden König und Königin, Feldherren und Hofdamen und, wo vor einigen Minuten noch Gotteslästerung und Weltlust ihr frivoles Spiel trieben – da sah man jetzt Blut, Leichen – Tod.

Ein Babel ist unsere Zeit; ein festliches Bankett hat sie bereitet. Nicht genug der Sündenlust und des Frevels früherer Zeiten, benutzt sie heute noch die religiösen Überlieferungen zu ihrem gottlosen Spiel. Jeder preist seine Götter und höhnt den Höchsten. Zahllos sind die Idole des Jahrhunderts. – Mag sie höhnen, kommen wird auch für sie die schreibende Hand, die unter Sternensturz und Himmelsdonnern in Flammenschrift an den Horizont die Worte setzt: Mane, Thekel, Phares. Kommen wird Christus auf den Wolken, und die falschen Götter werden stürzen. »Dann«, hat er zu den Guten gesagt, »erhebet euer Haupt, dann naht eure Erlösung«. Wir lassen es uns gesagt sein. Mag die Moderne sich den Idolen zuwenden, uns gilt als Leitstern das Wort: »Fürchte Gott und halte seine Gebote, das ist der ganze Mensch.«