Die Marienbader Kur

Meine Freunde haben es verschuldet. Sie haben mich so lange gereizt. »Eduard, du wirst zu stark, Eduard!« sagten sie täglich zu mir; die Gefühlloseren sagten: »zu dick«, die Gemütsrohen: »zu fett«. Ich leugnete das energisch; aber sie mußten sich heimlich verschworen haben; denn sie sagten es alle. »Ein gewisses Embonpoint ist bei mir hereditär, habituell, gehört sozusagen zu meiner Konstitution,« bemerkte ich. Dergleichen drückt sich immer am besten in Fremdwörtern aus. Ein rüdes Gelächter antwortete mir. »Deshalb«, fuhr ich fort, »verschlagen auch Entfettungskuren bei mir nicht das geringste.« »Ja, weil du sie nicht konsequent durchführst!« johlte die Masse in vulgärer Einstimmigkeit. »Ich – nicht durchführen?« versetzte ich mit meiner überlegenen Ironie, »nun – das werde ich euch beweisen!« Und so ging ich nach Marienbad.

»Sie gehen nach Marienbad?« fragte mich ein wohlbeleibter Eisenbahngefährte. »Ei, da sind Sie zu beneiden! Marienbad ist entzückend! Und schlemmen kann man da, schlemmen –!«

Ich bemerkte dem Manne mit einem sittlichen Ernste, der – ich fühlte es – mir gut stehen mußte, daß ich nicht zu schlemmen gedächte, sondern mich einer sehr ernsten Magerkur zu unterziehen beabsichtigte.

»Ach so, Sie wollen fasten!« rief er überrascht. »Na ja – kann man da auch,« fügte er nachlässig hinzu. »Dazu gehört allerdings ein starker Wille.«

»An dem soll es nicht fehlen,« preßte ich durch die aufeinandergebissenen Zähne.