In den morgenfrischen Bäumen
Hing ein letzter Hauch der Nacht,
Und die Blumen machten Augen
Wie ein Kind, wenn es erwacht. –

Holder Schreck entriß mich plötzlich
Lächelnder Versunkenheit –:
Eine Rose hat geduftet
Wie ein Lied aus Kinderzeit!

Eilends sucht' ich: Welche war es? –
Duft und Blüte weit und breit! –
Doch nicht andren Duft vernahm ich:
Aufgetan die Seele weit,

Ging ich atmend, dürstend, sehnend
Durch des Gartens Herrlichkeit –
Und ich hab' sie nicht gefunden,
Die mich rief aus ferner Zeit.

O, ich seh' es, euer Lachen,
Schnell und klug zum Spott bereit!
Seid gewiß, in regen Lüften
Weiß mein Herz von je Bescheid.

Aufgehoben bleibt im Ganzen
Jedes Atems leises Weh'n;
Einst an einem großen Morgen
Wirst du's lächelnd wiederseh'n.

Eine Rose hat geduftet
Wie ein Klang aus Kinderzeit;
Duft und Klingen, Heut' und Gestern
Weben all' an einem Kleid.

Niemals hab' ich Schillers Klage um die Entgötterung der Natur verstanden.

»Diese Höhen füllten Oreaden,
Eine Dryas lebt' in jenem Baum,
Aus den Urnen lieblicher Najaden
Sprang der Ströme Silberschaum.«

Ist das nicht heut' wie einst? Seht ihr's nicht wandern auf den Bergen, hört ihr's nicht lachen und seufzen aus jedem Baum, hört ihr's nicht singen an jeder Quelle mit überirdischer Stimme? Ihr vernehmt es mit höheren Sinnen, und mit leiblichen Sinnen vernahmen's auch die Griechen nicht.