und lud sie mit seiner galantesten Handbewegung zum Einsteigen ein.
Während er noch mit dem Kutscher sprach, konnte sie mit den strahlenden Augen nicht von ihm lassen. Wer kennt nicht die herrliche »Hochzeitsreise« von Moritz von Schwind, kennt darin nicht den anmutigen Zug, wie die junge Frau zur Seite rückt und dem geliebten Gefährten gar bereitwillig Platz macht in Erwartung gemeinsamer Freude! So drückte sie sich in die Ecke und konnte kaum erwarten, daß er einstieg.
Der Wirt, ein Mann von etwas familiärem, aber vortrefflich gemeintem Benehmen, wünschte ihnen noch, daß der Fortgang ihrer Ehe so fröhlich sein möge wie der Anfang.
»Also haben Sie gemerkt, daß wir Hochzeitsreisende sind?« fragte unser Freund.
»Freilich,« versetzte der Alte, »dafür bekommt unsereins einen Blick.«
»Ja ja,« rief der Ehemann lachend, »wir sind allerdings noch in den ersten Flitterjahren. Hü, Kutscher!« Die Pferde zogen an.
»Du ahnst nicht, wie dankbar ich dir bin,« flüsterte sie an seinem Ohr, »ich war ein wenig übermüdet – nun bin ich selig!«
Und freilich – fußwandern bleibt zwar immer das Schönste – aber nächstdem gibt es nichts Leib- und Seelenvergnüglicheres, als zu zweien im Wagen eng aneinander geschmiegt durch die Lande zu rollen. Sie fuhren durch stundenlangen Tannenwald; in unabsehbaren Reihen ragten die streng emporstrebenden Stämme in den Himmel, eine meilenlange Orgel, auf der der Wind das Morgenlied der Schöpfung spielte. O, ein geheimnisvolles Ding, mit munteren Rossen durch den tiefen Wald zu fahren! Dem seitwärts schweifenden Blick erschienen in fernsten, nie betretenen Waldgründen seltsamgestaltige Wunder, die scheu wieder ins Dunkel tauchten, wenn das Auge sie fester erfassen wollte; mit großen Augen lugte es hinter düsteren Stämmen hervor – ein Reh? – eine Dryas? – das verzauberte Brüderlein der treuen Schwester? – oder war es Schmerzenreich, das Kind der armen Pfalzgräfin? Und manchmal schaute zwischen fernen, fernen Tannen ein Stück des Himmels in die Schauer der Waldnacht herein, dann war es ihnen, sie sähen einen gotischen Dom mit riesenhohen, bunten Fenstern und sie wären dem Tempel nah, der die smaragdne Schale vom Tisch des Heilands birgt und der ewigen Frieden bringt denen, die ihn finden. Wenn aber der Wagen lautlos über moosigen Grund fuhr, dann vernahmen sie dumpfes, fernes Stimmengewirr versammelter Männer. Ihr wißt, daß man in stillen, dichten Wäldern die Stimmen einer unsichtbaren Versammlung hört. Das ist das Thing derer aus Niflheim und Jötunheim; sie beraten über den großen Kampf, in dem sie die Einherier vernichten wollen, die Einherier, die über den Wipfeln lächelnd dahinziehen.
Als sie aber nun über eine sonnige Hochfläche fuhren und Wiesen und Aecker in allen Farben vor ihren Blicken lagen, da ergriff ihn ein lustiger Größenwahn; er sprang von seinem Sitz in die Höhe, beschrieb mit der Linken einen weiten Bogen und rief:
»Sieh, Herz, alles unser! Alles dein! Ein Teppich für deine Füße! Wer kann sich das leisten!«