Motto:

Solche Brüder müssen wir haben,
Die versaufen, was sie haben.

Liebe Brüder!

Es sind einige unter euch in Briefen wider mich aufgestanden mit beweglichen Klagen, daß ich in meiner tiefgründigen Abhandlung »Vom Essen und Trinken« das Essen bevorzugt und das Trinken vernachlässigt hätte. Das Essen nähme einen viel zu breiten Raum ein im Vergleich zum Trinken usw. usw. Noch täglich laufen neue Briefe ein; wohl selten hat eine Frage unser Volk so in seinen Tiefen aufgewühlt wie diese.

Leider haben es sich dabei einige der Briefschreiber nicht versagen zu müssen geglaubt, über das Essen im allgemeinen verächtlich zu urteilen und dem Trinken unvergleichlich edlere Eigenschaften zuzusprechen. Ich habe beim Lesen solcher Briefe im stillen auf ein Stadium geschlossen, in dem der Appetit auf feste Substanzen bereits für immer geschwunden zu sein pflegt; aber ich behalte das für mich. Die Sache ist zu ernst, um nicht alles persönlich Verletzende von ihr fernzuhalten.

Aber beklagenswert bleibt es, daß man dergleichen unduldsame Meinungen nicht zurückgehalten hat. Schlaraffenland ist ein paritätischer Staat und soll es, so denke ich, bleiben. Man soll es sich dreimal überlegen, ehe man an seiner Verfassung rüttelt. In einem gesunden Staatskörper wird die feste Nahrung immer die geeignetste Grundlage bilden für alle trunkhaften Bestrebungen.

Es ist richtig, daß Pharao den Mundschenk begnadigte und den Bäcker hängen ließ. Aber es ist voreilig, daraus nun Schlüsse für das Trinken und gegen das Essen zu ziehen. Hier handelte es sich eben um einen Bäcker, also um Brot und Kuchen, und daß diese viel zu viel Mehl enthalten, hat noch kein anständiger Mensch bestritten. Aber die Aufknüpfung des Bäckers beweist nicht das geringste gegen Roastbeef, Rehrücken, Ente, Hummer, Kaviar usw. usw.

Liebe Brüder, man soll das eine tun und das andere nicht lassen. Zwischen Rehrücken und Rotspon sitzen: das nenn' ich goldene Mitte. Ich hoffe euch davon zu überzeugen, daß mir die Reize der besseren Feuchtigkeit nicht fremd sind.