Die alten Helmerdings konnten sich über diesen genialen Streich ihres Kindes gar nicht beruhigen, und als sie in der Nacht, die diesem Tage folgte, erst gegen Morgen entschlummerten, sahen beide im Traum die gleiche Verlobungsanzeige:

»Zwei Millionen
Willy Helmerding
Verlobte.«

Aber im Traumbilde der Mutter umschlang ein lieblich grünender Myrtenkranz das Ganze.


»Meine Herr'n – entschuldigen Sie – meine Damen und Herr'n, wollte ich sagen,« begann auf dem Verlobungsdiner der Stadtrat Kneesen, »also: meine Damen und Herr'n, erlauben Sie mir, mm, zu dieser feierlichen Gelegenheit einige schlichte Worte, wie sie aus'm einfachen Freundesherzen kommen, mm, was ich nu bereits viele Jahre bin, mm, an Ihnen zu richten, mir erlauben werde. Mein alter Freund Helmerding, mit dem ich manchen Sturm erlebt habe, das is'n Mann, ich meine: 'n bessern Kerl – ich bin immer 'n bischen grade weg, meine Herrschaften – kann man gar nich, un wenn man noch so lange mit der Laterne sucht, mm, kann gar nicht gefunden werden. Er is allgemein geachtet un geliebt un hat was für die Stadt getan un hat 'n Herz für die Armen – ja, ja, das has du, Helmerding, das laß ich mir nich nehmen! Un was die alte Mama Helmerding is, die hab' ich auch immer lieb gehabt – ja, das heißt alles in Ehr'n, meine Herrschaften, alles in Ehr'n – hähähähähähä – – Na, was wollt' ich noch sagen, also: ich will mich kurz fassen, meine Herrschaften. Unser verehrtes Brautpaar hat uns die Freude gemacht, die große Freude gemacht – mm – sich in den heiligen Stand der Ehe begeben zu wollen. Un wenn ich mir da nu zuers den Bräutigam betrachte, da muß ich sagen: er macht seinen Eltern Ehre – un Freude – un – ja, das tut er, un kann ich nur hinzufügen, was ich so halb offisiell weiß, daß er wohl nächstens Stadtverorn'ter werden wird, na, ich meine, meine Stimme hat er, un er kriegt noch viele dazu, das soll'n Sie mal sehen. Denn solche Männer, ich meine, die brauchen wir, die durch Fleiß un Intelligenz un was sonst noch – sich emporgewickelt – äh – wollt' ich sagen: entwickelt haben, gehören an die Spitze!! Un wenn ich nu zu der lieben Braut übergehe – djä – was soll ich da anders sagen, als – er hat sich 'ne Frau ausgesucht – die zu ihm paßt! Praktisch is sie – un – un – wir haben sie alle gern, un hat uns alle sehr leid getan, das müssen wir aufrichtig sagen, als sie ihren Herrn Gemahl so schmerzlich verloren hat. Aber – ich meine – unser Willy, der wird sie schon trösten, hähähähä, un bitte ich Sie, mit mir anzustoßen: Unser Brautpaar soll leben hoch – un noch 'n mal: hoch! – un zum dritten Mal: hoch!«

»Komm, mein süßen Willy, du has noch gar nich mit mir angestoßen!« rief die entzückte Frau Helmerding.

Da trafen sich die feingeschliffenen Gläser in einem vollen Klange, und im Auge der Mutter schimmerte eine Träne.


Ernsthafte Predigt vom Kommersieren