Wie es scheint, bestreut mich schon jemand mit Salz und Pfeffer; aber es ist nur Appelschnut, die mich mit Sand bestreut. Von unten anfangend, bedeckt sie mich nach und nach vollständig mit Sand. Sollte ich wirklich nur noch ein toter Seehund sein? Ich opponiere nicht einmal, als mir der Sand zwischen Hals und Kragen rieselt, obwohl dies kein eigentlich angenehmes Gefühl verursacht. Ein toter Seehund faßt keine Entschlüsse mehr.
»O Pappi, laß uns mal Pferd spielen!« ruft Appelschnut plötzlich.
Aber ich bin von meinen Forschungen über dem Wassereimer so angegriffen, daß ich ihr vorschlage, lieber Kuchen und Häuser zu backen, ein Geschäft, das man ohne große Veränderung der Körperlage etablieren kann. Sie ist sofort einverstanden, und wir backen in zehn Minuten eine amerikanische Großstadt mit Häusern, Kirchen und Kuchenläden. Allerdings bauen wir mit stetig wachsendem Arbeitspersonal. Nach fünf Minuten ist nahezu die ganze unmündige Strandbevölkerung auf der Arbeitsstätte versammelt. Und als ich nach abermals fünf Minuten emsig damit beschäftigt bin, in einem Garten sämtliche Blumen und Gemüse anzubauen, die sich aus Strandhafer herstellen lassen, empfinde ich um mich her eine abgrundtiefe Stille. Ich hebe den Blick: meine Arbeitsgenossen sind schon in weiter, weiter Ferne; sie haben längst ein anderes Spiel begonnen, und Appelschnut hüpft über die fernsten Hügel wie eine wandernde Mohnblume.
Verwaist, vergessen und öde liegt die Stadt. Schon beginnt der Wind, sie zu verwehen, die Flut, sie zu benagen. Nie wieder wird die eben noch Lebendige ein Hauch des Lebens erwecken; in einer Stunde wird sie verschwunden sein. Wunderbare Welt des Meergestades! Selbst Kinderträume verwehen in dieser Luft noch schneller als drinnen im Land, und tiefer noch als anderswo senkt sich ins Herz das Gefühl: Auch deine Wünsche sind wandernder Staub. Du brauchst nicht nach Aegypten zu gehen: diese verlassene Stadt der Kinder ist Memphis.
Aber auch die beschauliche Ruhe ist hier vergänglich; schon kommt Roswitha wieder herbeigesprungen.
»Mutti!« ruft sie erregt.
Ich wundere mich, daß sie mich als Mutter anredet, und sehe mich um – ach so: meine Frau liegt neben mir im Sand.
»Mutti, Erna is immer so eisch; wenn wir spielen, dann macht sie immer Streit und wirft uns Sand ins Gesicht. Sei man gar nich mehr so nett mit ihr; wir sind alle von ihr weggegangen!«
In diesem Augenblick geht Erna, eine von den weniger erfreulichen Badebekanntschaften, weinend vorüber.